Der Deckakt

Bei dem Vergleich der im letzten Jahr veröffentlichten Zuchtanträge mit den tatsächlich erfolgten Verpaarungen, kommt die Frage auf, warum gab es im vergangenen Jahr so wenig Welpen im VHH? Zwar wird gelegentlich eine geplante Verpaarung nicht durchgeführt, weil zeitliche/ berufliche oder familiäre Probleme sich nicht mit einer liebevollen und verantwortungsbewussten Aufzucht, wie von uns gewünscht, in Einklang bringen lassen, also eine Entscheidung aus Vernunft.

Jedoch fahren in den meisten Fällen die Züchter mit ihrer Hündin voller Hoffnung (Stress) zum „Auserwählten“ und hoffnungslos wieder nach Hause, weil „es hat nicht geklappt“. Und dabei ist es doch eine ganz „natürliche“ Angelegenheit?! Sicher natürlich! Aber leben unsere Hunde wirklich natürlich, nämlich von der Natur geprägt? Sind nicht gerade unsere „Familienmitglieder“ in ihrem Verhalten, ihren Instinkten, somit auch in ihren Fortpflanzungsgewohnheiten sehr stark beeinflusst und eingeschränkt in ihrer „Natürlichkeit“? Beeinflussen wir Menschen nicht selbst maßgeblich unsere Hunde mit unserem eigenen Verhalten?

Es könnte doch so einfach sein!? Die Hitze unserer Hündin wird sehnsüchtig erwartet. Endlich, sie markiert! Bald, ja bald. Oder auch nicht! Denn manche Hundedame schafft es, ihre geplagten Menschen 6 Wochen und mehr auf die Folter zu spannen. Oder sie „verschweigt“ ihre eingetretene Hitze, so dass der angehende Züchter keine Angaben zum 1. Tag der Hitze machen kann. Ihr Scheidenausfluss kann so gering oder hell sein, dass dieser erst spät bemerkt wird. Oder aber die Hündin hält sich sehr reinlich so dass „verdächtige“ Spuren beseitigt werden.

Also wird, um wirklich den 1. Tag der Hitze nicht zu verpassen, kontrolliert, kontrolliert, kontrolliert… Und endlich, der 1. Blutstropfen! Oder ist es vielleicht doch nur ein bisschen leicht „getönter“ Ausfluss? Mit Argusaugen wird der Entwicklung überwacht. Hund fragt sich „was ist los“. Mensch ist nicht wiederzuerkennen. Aber endlich, ganz sicher, es ist soweit! Und nun ja nichts verpassen, nichts falsch machen, nichts vergessen! Die Zuchtleitung informieren, den Deckrüdenbesitzer, auch den Ersatzdeckrüdenbesitzer. Ist es wirklich erst der 1. Hitzetag? War da nicht schon gestern auf dem Boden etwas zu sehen? War der Nachbarsrüde nicht schon sehr auffällig? Und was ist, wenn wir zu spät sind? Zu früh? Und wenn es nicht klappt? Tage zählen! Vielleicht sollte schon mal ein Versuch gestartet werden? Kann nichts schaden. Oder doch?

Es werden Bücher gewälzt, das WWW durchforscht, telefoniert, geplant, gerechnet… Die ganze Familie steht Kopf. So ist es nicht? Oh doch, genau so! Es ist aufregend schön. Und doch sehr anstrengend, besonders für die Hündin, die nun einmal im Mittelpunkt steht.

Wann ist es endlich so weit?
Leider gibt es keine Regel, an die sich jede Hündin hält. Selbst von einer Hitze zur nächsten kann sich das Verhaltensmuster einer jeden Hündin, der Ablauf der Hitze, die Länge des Proöstrus (Vorbrunst) und besonders des Östrus (fruchtbare Phase) völlig unterschiedlich zeigen.
Wer seine läufige Hündin täglich beobachtet, wird vielleicht an ihrem Verhalten den richtigen Decktag erkennen. Leben mehrere Hündinnen in einer Gemeinschaft, zeigen sie in der Hochbrunst untereinander gerne ein sehr auffälliges Benehmen indem sie (mangels passendem Partner) ihre Begattungsbereitschaft gegenseitig demonstrieren. Einige Hündinnen machen durch rüdenhaftes Beinchenheben auf sich aufmerksam oder heulen, zum Leidwesen aller, wie Wölfe. Sie verweigern die Nahrung, fressen wie ausgehungert, sind sehr anhänglich – sehr aufmüpfig… Jedoch ist auch dieses Verhalten nicht immer ernst zunehmen, wie oft genug bewiesen wird.

Für so manchen Züchter ist der eigene, oder der befreundete Nachbarsrüde, als Alarmanlage sehr hilfreich. Oder aber man verlässt sich auf die von Tierärzten angebotenen Untersuchungen (Vaginoskopie und Progesteronbestimmung). Diese jedoch sind nicht immer verlässlich und machen z.B. keinen Sinn, wenn die fruchtbare Phase sich gerade einmal über 1-2 Tage erstreckt. Leider erweisen sie sich, wenn nicht korrekt durchgeführt, als nicht brauchbar. Ebenso wenig verlässlich sind häufig gemachte Angaben der verschiedensten Informationsquellen (Literatur, Internet). Würde man sich auf gängige Regeln verlassen, die die fruchtbaren Tage um den 11. bis 13. Tag der Hitze beschreiben, wären wahrscheinlich 40% aller Hündinnen unfruchtbar, nämlich weil sie schon am 8. oder aber erst am 18. Tag, oder noch später, deckbereit sind.

Besonders schwierig wird es, wenn Rüden und Hündinnen an mehreren Tagen bzw. während der Vorbrunst Paarungsbereitschaft zeigen. Lässt sich unsere Hündin schon einige Tage vor dem Eisprung belegen, wird die Enttäuschung groß sein, denn der Züchter fährt nach vermeintlich erfolgreicher Hochzeitsnacht in „trügerischer“ Hoffnung nach Hause. Wohl dem, der seinen eigenen Deckrüden zur Verfügung hat.

So zeigte sich unsere 1. Hovawart-Hündin Candy bereits am 10. Tag ihrer Hitze „mannstoll“. Sie mühte sich redlich unseren Rüden zu verführen, der jedoch nicht an einem Rendezvous interessiert schien. Viele gute Ratschläge von Züchtern und Zuchtleiter halfen uns da nicht weiter. Wir hatten bereits unsere Wurfpläne begraben, als Astor am 16. Hitzetag aktiv wurde. Dieser Wurf brachte 11 Welpen.

Unsere 2. Hündin Babsy überzeugte uns mit „ihrem Aufstand“, obwohl unser eigener Rüde nicht sonderlich interessiert war. Nur weil sie keine Ruhe gab, fuhren wir am 9. Tag der Hitze zum Deckrüden. Eine der unromantischen Begegnungen, die keine 20 Minuten dauerte! Das gleiche am 11. Tag. Als aber unser Rüde erst am 15. Tag liebeskrank wurde, fuhren wir ein 3. Mal nach Wuppertal, mit Erfolg! Der Wurftag bestätigte den letzten Decktag.

Unser 1. Rüde weigerte sich regelrecht, die im damals um den 11. Hitzetag zugeführte Fremdhündin zu ehelichen. Der dann schließlich doch durchgeführte Deckakt, war vermutlich mehr eine Verzweiflungstat. Während die Hündin ihn ununterbrochen umgarnte, glaubten wir, ihm gut (eher gefrustet) zuredeten zu müssen („Du weißt doch wie es geht? Stell Dich nicht so an!……“). Diese Verpaarung brachte keine Welpen. Hier wäre es besser gewesen, dem natürlichen Instinkt des erfahrenen Rüden zu glauben und 2-5 Tage später einen weiteren Versuch zu unternehmen.

Weitere gravierende Unterschiede finden sich in der Dauer der Ovulation. Während der Eisprung bei der einen Hündin auf 24 Stunden begrenzt ist, kann er bei anderen Hündinnen über 4 bis 6 Tage ausgedehnt sein. Das bedeutet, die Ovulation findet in einem länger angelegten Zeitraum statt, die Hündin ist über diese ganze Zeit aufnahmefähig.

Jedoch ist eine Belegung über viele Tage wenig sinnvoll, da dadurch die Gefahr besteht, bei termingerechter Geburt untergewichtige Welpen in einem Wurf zu haben.

Es gibt nichts was unmöglich wäre! Sie sehen wie wichtig es ist, seine Hündin selbst zu beobachten, und zwar bereits in den vorangegangenen Hitzen!!
Bereits einige Tage (bis zu 6 Wochen) vor der Hitze ändert sich das Verhalten einer Hündin. Sie

  • markiert ihre Umgebung, indem sie gezielt auf Erhebungen wie Grasbüschel, etc., häufiger kleinere Bächlein absetzt
  • wirkt anhänglicher oder aufmüpfiger als normal
  • zeigt sich futtermäkelig oder verfressen
  • ist auffallend wachsam oder träge
  • ignoriert Befehle oder mimt die Unterwürfige.

Diese „Auffälligkeiten“ sollten einen Züchter aufmerksam machen. Schon von dieser Zeit an wird einmal täglich mit einem sauberen Zewa oder Tempo die Scheide auf evtl. Ausfluss kontrolliert (tupfen).

Gleichzeitig beobachtet man die Scheidenbeschaffenheit (auch Nüsschen, Vulva oder Scham). Sie ist

  • bis etwa 10 Tage vor der Hitze klein, schlaff und weich
  • während der ersten Hitzetage stark angeschwollen, prall und hart
  • während bzw. kurz vor dem Eisprung (Paarungszeit) heiß, weich und faltig.
  • Der Ausfluss ist im optimalen Fall
  • in den ersten 7-8 Tagen dunkelrot (venös). Danach
  • bis zum Abschluss der Ovulation blassrosa (fleischwasserfarben), evtl. auch gelblich-weiß, der optimale Deckzeitpunkt und
  • nimmt zum Ende der Hitze wieder eine dunkelrote bis fast schwarze Farbe an oder
  • versiegt gleich nach dem Östrus.

Die Dauer der Hitze variiert so stark, dass die Angabe von etwa 3 Wochen und dem möglichen Decktag um den 11. – 13. Tag der Hitze nicht zuverlässig ist. (Trippelnde Schritte, hochgewölbter Rücken, zur Seite gebogene Rute, lassen sich durch Kraulen im Bereich der Schwanzwurzel schon im Anfangsstadion der Hitze auslösen. D.h. zur Bestimmung des optimalen Deckzeitpunkt nicht bedeutend.)

Aber wann ist es endlich so weit?
Lassen wir unserem Liebespaar doch einfach die Zeit. Jedes Lebewesen ist einzigartig und ist somit nur bedingt an bestimmte Verhaltens- und Fortpflanzungsregeln gebunden. Wir beobachten unser Hündin, ihr Verhalten, die o. erwähnten Entwicklungsstufen und bemühen frühestens dann den Deckrüden und seine Besitzer, wenn der Scheidenausfluss sichtlich heller wird.

Die Ankunft beim Deckrüden
Es ist selbstverständlich, dass der Deckrüdenbesitzer rechtzeitig, also gleich am 1. Tag der Hitze informiert wird! Und ebenso verständlich heißt es: „Mit vollem Magen arbeitet man (Hund) nicht!“ Nach einer längeren Autofahrt sollte der Hündin erst einmal die Möglichkeit geboten werden, sich bei einem Spaziergang zu entspannen und ihr Geschäftchen zu verrichten, bevor sie ihr Partner begrüßt. Sobald sicher ist, dass beide Hunde sich verstehen, überlässt man ihnen das Revier, hält sie aber im Auge und wird fasziniert sein, von dieser liebevollen Begegnung. Die Hündin wird umgarnt, beleckt, liebkost und genießt… Je nach Temperament (Trieb) kommt der Deckrüde gleich zur Sache. Oder er versucht es zumindest. Ist die Umworbene bereit? Von ihm angetan? Mag sie sein Temperament? Oder möchte sie liebevoll umworben werden?

Andererseits, fragen wir den Rüden! Liebt er die feurige Dame, die ihn umgarnt, dass ihm Hören und Sehen vergeht? Lässt er sich von einem halbherzigen Drohen beeindrucken? Ist eine vollkommen neutrale Hündin nicht attraktiv genug? (Hierzu sei angemerkt: Auch wenn es kaum praktiziert wird; bereits lange vor der einsetzenden Hitze sollte und kann getestet werden, ob ein Pärchen kooperativ ist/ sein wird. Auch unsere Hunde haben Vorlieben und Abneigungen. Was absolut nicht passen will, sollte akzeptiert werden. So mancher empfindsame und sexuell weniger aktive Rüde wird sich durch eine freche „Göre“ einschüchtern lassen. Ebenso wie eine zurückhaltende oder auch ängstliche Hündin regelrecht die Flucht ergreift, bzw. zum Angriff übergeht, wenn ihr der Liebhaber aufs „Fell“ rückt.) Es gibt einige „Naturtalente“, die gleich ihren 1. Deckakt wie alte Routiniers durchführen. Sicher ist dies aber eher die Ausnahme.

Nach mehr oder weniger langem Vorspiel, dessen Länge sich nach Temperament und Ausdauer beider Partner richtet, zu dem auch das gegenseitige Besteigen des Partners, mal von vorne, von hinten, von der Seite, als müsse man sich erst einmal einüben gehört, werden beide Hunde ruhiger. Die Hündin zeigt sich begattungsbereit, sobald sie mit gesenktem Kopf, leicht hochgewölbtem Rücken, seitlich abgewinkelter Rute und angehobener Scheide das Aufreiten des Rüden duldet. Erfahrene Hündinnen helfen durch verschiedene Gesten, ihrem unerfahrenen Liebhaber die richtige Position zu finden (oder aber sie schicken ihn entnervt zum Kuckuck). Sobald diese stimmt, umklammert der Rüde mit beiden Vorderläufen die Lenden der Hündin. Die Hinterläufe stehen seitlich außerhalb deren Hinterhand. Er zieht sie so weit zu sich heran, dass sein Kopf auf ihren Schultern zu liegen kommt. Gleichzeitig sucht er mit seinem Penis die Scheidenregion der Hündin ab, um nach einigen Stößen, die durch trippelnde Bewegungen seiner Hinterhand begleitet werden, einzudringen. Auch wenn ein Eingreifen der Besitzer meist nicht nötig wird, sollten beide „sprungbereit“ sein, da manche Hündin das Anschwellen der Schwellkörper am Glied des Rüden, sowie der Schwellkissen in ihrer Scheide als sehr unangenehm empfindet. Beide Hunde werden, sofern erforderlich, vorsorglich am Halsband festgehalten, gelobt und ruhig angesprochen, da der Versuch sich loszureißen beiden Deckpartnern schwere Verletzungen zuführen kann. Nach kurzer Zeit steigt der Rüde „während des Hängens“ vom Rücken der Hündin, indem er beide Vorder- und 1 Hinterläufe auf eine Seite der Hündin stellt um Becken an Becken (Po an Po) den Deckakt zu beenden. Während dieser Phase zeigen die Paare ein recht unterschiedliches Verhalten:

  • Sie stehen völlig entspannt
  • wie desinteressiert still,
  • oder drehen sich fortwährend langsam im Kreis.

Es wird geseibert, gestöhnt, oder gejammert, bis sich schließlich die Schwellkörper zurückgebildet haben und somit das Trennen ermöglichen. In der Regel sind erst einmal beide Hunde mit dem Putzen ihres Geschlechtes beschäftigt. Jedoch muss so manche Hündin anschließend „Luft ablassen“ und saust „unkontrolliert“ durch den Garten, ohne auf herumstehende Menschen Rücksicht zu nehmen. Da ohnehin nun erst einmal die Hündin am Pippimachen gehindert werden soll, ist es ratsam, sie „ganz unromantisch“ gleich an die Leine und ins Auto zu nehmen. Der Papa in Spe wird ausgiebig für seine „Arbeit“ gelobt und hat sich ein besonderes Leckerle verdient. Ob es unbedingt notwendig ist, eine Liebesnacht so drastisch zu beenden, wird niemand genau sagen können. Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Keine wildlebende Hündin würde sich nach dem Deckakt zur Ruhe begeben und trotzdem aufnehmen. Andererseits wird sie sicher über mehrere Tage belegt, was bei getrennt lebenden Partnern nur selten möglich ist. Unsere eigenen Hündinnen stürmten bisher immer gleich ab in Richtung Auto und schliefen während der Heimfahrt ganz entspannt, was ihnen zustand.

Deckschwierigkeiten
Neben den bereits genannten, wie z.B.

  • der falsche Zeitpunkt (zu früh – zu spät)
  • Sympathie
    sind auch weitere Faktoren zu erwähnen, die einen Deckakt unmöglich machen, wie z.B.
  • hormonelle Störungen
  • körperliche Mängel (Bandscheibenvorfall, Arthrose, Scheidenvorfall, Penisknochenverkrümmung, etc.)

Ganz wesentlich ist die Auswahl des Verpaarungsortes von Bedeutung. Hier ist der Wohnort (das Reich) des Rüden immer die 1. Wahl, da der Rüde dort als Hausherr „regiert“, somit nicht erst seine Überlegenheit in frage gestellt wird. Jedoch spielt auch hier die Rangordnung des Rüden eine bedeutende Rolle, sofern in seiner Familie weitere Hunde leben, er selbst keinen „hohen Rang“ besitzt.

Auch kann die Anwesenheit weiterer Hunde im nahen Umfeld einen Deckakt vereiteln. Ebenso wenig eignet sich ein großer eigener Garten, wenn dieser an einer stark besuchten Strasse liegt und ständiger Publikumsverkehr stört.

Die Psyche eines jeden Hundes muss heute besonders berücksichtigt werden. Wir können unsere Hunde nicht mehr mit ihren wildlebenden Ahnen vergleichen, die ihr ganzes Leben in einem gemeinsamen Rudel verbringen und somit der „Partner“ ähnlich sozialisiert und vertraut ist. Was Verhaltensforscher in ihren Studien unter Wölfen entdeckten, ist in der Hundezucht kaum realisierbar; dem eigentlichen Deckakt gehen viele Tage mit Paarungsspielen voraus. Wer selbst ein Hundepärchen in seinem Haus hält, kann dies bestätigen! Bereits einige Tage vor der Hitze wird die Hündin fleißig von ihrem Liebhaber umworben, „gepflegt“ und nicht aus dem Auge gelassen (Wir lassen unseren Hunden, bis zu den sog. fruchtbaren Tagen, dieses sichtliche Vergnügen.). Aber wann hat ein Hundepaar tatsächlich diese Möglichkeit? Auch ist nachgewiesen, dass Wölfe eine lebenslange Bindung mit einem Partner eingehen. Dieses „Erbgut“ dürfte auch heute noch mit von Bedeutung sein. Einige Züchter halten vorzeitige Besuche bei dem ausgewählten Deckrüden für unnötig und sind dann enttäuscht, wenn die „Chemie“ nicht stimmt. Schließlich wird der Deckrüde für diese Miesere verantwortlich gemacht, weil er offensichtlich nicht kapiert, was man von ihm erwartet!? Unsere Hündin möchte vielleicht ausgiebig umworben werden und weist jeden feurigen Liebhaber ab. Vielleicht gefällt ihr ausgerechnet DER Rüde nicht! Schließlich hat auch ein Hovawart-Mädchen ihren eigenen Kopf.

Aus dem „Praktischen Ratgeber – Hunde züchten (Frank Jackson)“ bietet sich folgender Absatz an: Es ist wichtig, dass junge Hunde das tief verwurzelte Verhalten praktizieren, entwickeln und perfektionieren können… Für die Zucht ausgewählte Rüden sollten die Fähigkeit entwickeln, Bindungen zu anderen aufzubauen und ihren Platz in solchen Beziehungen zu behaupten, ohne aggressiv zu werden. Dies entspricht dem typischen Rudelverhalten, das wir unseren Hunden kaum bieten können, in ihrem menschlichen Rudel, viel von ihrem Sexualinstinkt eingebüßt. Diese sexuelle Passivität wird gerne von Kynologen als Mangel abgetan, der in der Zucht unerwünscht ist, da vererbbar. Jedoch halten wir uns vor Augen, dass die meisten Hunde (etwa 95%) niemals zum Zuchteinsatz kommen und diese, weil sexuell eher passiv, als Freund und Begleiter, Haus- und Familienhund, viel angenehmer auftreten und zu halten sind, als ein stets über beide Ohren verliebter Vierbeiner, der jede Gelegenheit wahrnimmt seinen „Gefühlen“ zu „folgen“. Wobei kein Geschlecht eine Ausnahme macht.

Wir erwarten heute von unseren Hunden ein sehr gutes Sozialverhalten in der Familie, im gesamten Umfeld und im täglichen Umgang mit anderen Artgenossen. Unsere Züchter ziehen ihre Welpen mit sehr viel Sorgfalt auf und unterbinden, schon in der Kinderstube, evtl. auftretende Machtkämpfe, womit der „natürliche Instinkt“ unterbunden werden soll. Die Welpen lernen so, wenn die Natur ihnen nicht gleich eine hohe Hemmschwelle mitgegeben hat, schon in der Welpenkiste den harmonischen Umgang mit ihren Geschwistern. Das Gelernte hilft ihnen und ihren neuen Besitzern, sich im Umgang mit allen Lebewesen zurechtzufinden. Denken wir an die ersten Attacken, die der Welpe in seinem neuen Zuhause startet: Nicht aus Aggression, sondern weil es seine Art ist, so die Welt zu entdecken! Zu spielen! Denken wir auch an unsere erzieherischen Eingriffe! Dann verstehen wir, warum ein noch unerfahrener Rüde seine Liebesgefühle „vergisst“, wenn seine ebenso unerfahrene Angebetene sich quietschend seinen Annäherungsversuchen entzieht (für ihn DAS Signal zum Abbruch).

In einigen Hundezüchtungen (bestimmte Rassen) ist ein Deckakt nur mit Maulkorb möglich, da beide Partner auf Grund ihres aggressiven Verhalten, selbst in dieser Situation unberechenbar sind. Eine solche Handhabe ist unverantwortlich! Sie schadet einer Zucht, der Rasse, weitaus mehr (vererbte Aggressivität!), als ein gelegentlich ausfallender Deckakt. Zuletzt schließlich beobachten wir die „Statisten“. Wie verhalten sich die Besitzer? Sind sie immer vernünftig? Für die Hunde verständlich? Ist ihnen bewusst, dass sie vielleicht selbst den Deckakt vereiteln?

So mancher angehende Züchter ist in der Sorge um seine Hündin und oft in seiner Ungeduld mehr als hinderlich. Und der unerfahrene Deckrüdenbesitzer? (Ich spreche aus eigener Erfahrung als Züchter und Deckrüdenbesitzer!) Die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht geschrieben! Seine Stimme schwankend! Will er nicht? Kann er nicht? Ist er zu doof dazu? Man redet dem Brautpaar „gut zu“, läuft bis in die hintersten Winkel des Gartens hinterher, äußert sich laut begeistert, dass es fast und beinahe geklappt hätte, oder stöhnt enttäuscht laut auf, weil es denn doch nicht so… und bringt „den Dummkopf“ schließlich ganz um jedes Interesse, weil er unsere Enttäuschung missversteht.

Deckrüdenbesitzer, die bereits derartige Erfahrungen hinter sich haben, bestehen gerne darauf, das Paar für mehrere Tage sich selbst zu überlassen. Sicher eine weise Entscheidung. Nur, wer will seinen Familienhund ganz sich selbst oder fremden Händen überlassen? Außerdem kann ein solches Vorgehen sich für alle zukünftigen Autofahrten oder Reisen negativ auf das Verhalten der Hündin auswirken.

Der Deckakt! Die natürlichste Sache der Welt, wenn wir der Natur eine Chance lassen!