Der Kehlkopf des Hundes

Der Kehlkopf des Hundes ist ein röhrenartiges Organ, das aus einem knorpeligen vierteiligen Gerüst besteht (Schildknorpel, Ringknorpel und 2 Stellknorpel) sowie dem Kehldeckel. Diese sind beweglich miteinander verbunden und werden durch verschiedene Muskeln und Bänder gehalten. Erwähnt sei, dass sich der Kehlkopf des Hundes nur gering von dem des Menschen unterscheidet.

Verschiedene wichtige Funktionen hat der Kehlkopf zu regeln: Schutz der Atemwege – Er bildet als Übergang von Mund- zum Rachenraum ein Sicherheitsventil, indem er Atem- und Speisewege mit Hilfe des Kehldeckels (Epiglottis), der wiederum bei jedem Schluckvorgang die Luftwege verschließt, voneinander trennt, um die Lunge vor der Einatmung von flüssigen oder festen Nahrungsbestandteile (also Fremdkörper) zu schützen. Beim Schlucken wird der Kehlkopf in der Form nach oben gezogen, dass der Kehldeckel gegen das Gewebe der inneren Halswand drückt. Durch die hierauf folgende Kontraktion des Zungengrundes, wird der Kehlkopfeingang durch den Kehldeckel vollständig verschlossen, die Nahrung nimmt ihren Weg in die Speiseröhre.
Atemregulierung – Die Stimmlippen bewegen sich bei der Einatmung leicht auseinander und der Kehlkopf wird etwas nach unten gedrückt.

Stimmproduktion – Das Inneres des Kehlkopfes ist, abgesehen von den beiden seitlich, rechts und links, gelegenen Stimmbändern und der Kehldeckeloberfläche, mit der für Atemwege typischen und durch Flimmerhärchen versehenen Schleimhaut (Flimmerepithel) ausgekleidet. Deren Aufgabe wiederum besteht darin, z.B. eingeatmete Staubpartikelchen abzufangen.

Nun, eigentlich ist uns allen die Funktion des Kehlkopfes ausreichend bekannt. Warum wird sie hier eingangs noch einmal erwähnt?
Unsere Vierbeiner zeigen leider nur selten für uns verständlich an, wie es um ihre Gesundheit steht. Hier mal ein Wehwehchen, da mal eine Unpässlichkeit…. . Er „hüstelt“ ab und an? Natürlich können sich auch Hunde eine Erkältung zuziehen! Aber dann gerät es in Vergessenheit, weil….. . Bis sich erst nach Tagen, vielleicht erst nach Wochen oder Monaten, ähnliche Symptome zeigen. Im Verlaufe der Zeit verstärken sich diese allmählich auffällig oder auch unauffällig. Gelegentlich fällt Ihnen

  • ein angestrengtes Atmen wie
  • Röcheln mit Unruhe Ihres Hundes auf?
  • Schon ein leichter Druck des Halsbandes auf den Kehlkopf des Hundes ist ihm sehr unangenehm?
  • Ihr Hund mag sich nicht mehr ganz entspannt zum Schlafen auf den Rücken legen?
  • Bei Aufregung wird sein Bellen heiser und fiepend?
  • Weißer zäher Schleim wird abgewürgt
  • Je weiter ein solcher Zustand fortschreitet, desto anstrengender sind solche „Schübe“ für den Hundeorganismus, insbesondere das Herz. Entsprechend zeigen sich im fortgeschrittenen Alter zunehmend
  • übermäßige Leistungsschwäche
  • tonloses Bellen
  • Heiserkeit
  • Husten
  • vermehrtes Speicheln
  • fortwährende laute röchelnde Atemgeräusche

weil den Oldies „die Luft weg bleibt“. Da die Luft beim Einatmen nicht ungehindert fließt, führt dies zwangsläufig irgendwann bei geringster Belastung zur Atemnot.

Der Kehlkopfkatarrh (die Laryngitis) ist in akuter wie chronischer Form bekannt. Eine akute, jedoch nicht durch eine Infektion bedingte Form der Laryngitis, kann z.B. durch einen Insektenstich im vorderen Kehlkopfbereich bedingt auftreten und dort eine bedrohliche Entzündung mit Oedembildung hervorrufen. Wir erleben es immer wieder, dass Hunde nach laut brummenden „Fliegern“ schnappen und im Mundhöhlen- oder Rachenbereich gestochen werden. Eine hierdurch bedingte Schwellung der Kehlkopfschleimhaut kann zu hochgradiger Einengung der Atemwege führen. Mit Atemnot bis hin zu Erstickungsanfällen muss gerechnet werden. Aus diesem Grund ist eine sofortige Hilfe dringend erforderlich!

Für solche Notfälle sollte immer (auch für unsere Menschen-Hausapotheke) erst einmal das homöopathische Mittel Apis D4 (in kurzen Abständen 5 Globuli über einen Zeitraum von 1 Stunde gegeben) zur Hand sein. Ferner ist die Kühlung der Schnauzen- Halspartie wichtig sowie möglichst der sofortige Kontakt zum Tierarzt, der über weitere evtl. notwendige Maßnahmen entscheidet.

Der akute Kehlkopfkatarrh zählt zu den häufigen beim Hund bekannten Erkrankungen. Meist jahreszeitlich bedingt tritt er auch gerne im Zusammenhang mit einer viralen oder bakteriellen Infektion der oberen Atemwege (Erkältung, Zwingerhusten, etc.) auf, die gelegentlich auf den Kehlkopf übergreifen kann. Er ist gekennzeichnet durch Husten, Heiserkeit, Schmerzen, evtl. Fieber und Appetitlosigkeit. Wird eine Infektion rechtzeitig bemerkt, lässt sich in leichteren Fällen durch Gaben von Honig (mehrmals täglich ein Teelöffel), ggf. Hustensaft (Kinder) und Ruhe eine Besserung erreichen.
Als Auslöser kommen jedoch auch in frage

  • permanent anhaltendes Bellen (Überanstrengung)
  • chemische Reize durch Kontakt mit Staub, Gas, Rauch, Insektenpulver
  • Allergien, ect.

Auch der chronische Kehlkopfkatarrh kann eine Folge fortwährender Reizung der Atemwege sein. So ähneln die Beschwerden denen einer akuten Laryngitis, jedoch ohne Fieber und selten mit Schmerzen verbunden. Selbst der Kontakt mit kaltem Wasser oder kalter Luft löst mitunter immer wieder Hustenanfälle mit Würgen aus.

Besonders bei älteren Hunden fällt mit der Zeit eine anhaltende starke Heiserkeit und rasselnde Geräusche beim Hecheln auf. Da durch die chronische Schädigung die Kehlkopfhaut verdickt und gestaut ist, verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Hundes besonders bei feuchtschwüler Luft. Auffällig zeigt sich, dass ein starker Druck auf den Kehlkopf, z.B. durch starkes Ziehen an der Leine, ebenso wie anhaltendes Bellen diese Situation verschlimmert. Der Hund hat Not (Stress und Angst), was wiederum zu einer weiteren Einengung der Atemwege führt.
Sein Hals ist wie „zugeschnürt“.

  • Er versucht sich durch Würgen von der Last der Verengung zu befreien,
  • erbricht große Mengen schaumig-weißen Schleim (Sahne).
  • Er hustet schon bei geringster Anstrengung,
  • legt sich mit vorgestrecktem angehobenen Kopf, bei weit geöffnetem Maul,
  • mit heraufgezogenen Mundwinkeln und weit
  • herausgestreckter Zunge und abgewinkelten Beinen vor Erschöpfung auf den Bauch.

Hier besteht der berechtigte Grund zur Sorge! Denn Erstickungsanfälle sind, auf Grund der nun unzureichenden Ventilation bzw. dem vermindertem Sauerstoffgehalt der Atemluft zu befürchten.

Welche Folgen kann eine über einen langen Zeitraum nicht beachtete und somit nicht behandelte chronische Laryngitis haben? Z.B.:

Die Kehlkopflähmung (Larynxparese oder Larynxparalyse)
Sie ist nur in eher seltenen Fällen angeboren. Bei der Kehlkopflähmung besitzt der Kehlkopf nicht mehr die Fähigkeit, sich bei der Einatmung zu erweitern. Dadurch ist die Beweglichkeit der Kehlkopf-Knorpel gestört und die oberen Luftwege stark verengt. Auch hier sind verschiedene Ursachen verantwortlich. Die Ausprägung und die Entwicklung des Krankheitsbildes können:

  • rassetypisch bedingt sein (Als erblich bedingt wird sie beim Malamute, Bouvier, Bullterrier, Bulldogge, Dalmatiner und Husky erwähnt. Sicher trifft dieses auch auf viele andere Hunde zu.)
  • durch eine Verletzung oder Verkümmerung der Kehlkopfnerven (als häufigste Ursache für eine Kehlkopflähmung wird die Schädigung des Nervs, der für die Beweglichkeit der Kehlkopfmuskeln verantwortlich ist, genannt) auftreten.
  • unfallbedingt sein
  • sich aus einer (schon oben erwähnten) chronischen Laryngitis entwickeln und altersbedingt an Schwere zunehmen.

Der Larynxverschluss
soll nun eine besondere Beachtung finden! Er bleibt zu oft, auch beim Hovawart, häufig lange unerkannt. Eines der uns hierfür bekanntesten Probleme, bei dem die Atemwege verengt sind, ist das lange Gaumensegel (Palatum molle, weicher Gaumen).
Als Fortsetzung des harten (vorderen) Gaumens, stellt sich das Gaumensegel beim Menschen in Form eines abgerundeten „M“ deutlich sichtbar dar. Bei unseren Hunden lässt es sich nur mit einiger Anstrengung einzusehen. Das Gaumensegel trennt die Mundhöhle, als Abgrenzung zwischen Luft- und Speiseröhre, teils gegen den Rachen ab. Neben seiner Beteiligung beim Schlucken und Gähnen (Druckausgleich) wird es beim Lautgeben (Bellen) und Atmen beansprucht. Am Rande bemerkt, ist es mit verantwortlich für das so oft belächelte Schnarchen, das bei den entsprechenden Hunden bereits im jungen Alter, besonders in „genüsslicher“ Rückenlage, wahrzunehmen ist. Das ja eigentlich normal lange Gaumensegel ist eben, schlicht ausgedrückt, zu lang im Größenverhältnis zum Kehlkopf und seiner Öffnung. Dieses unpassende „Verhältnis“ ist weder eine Laune der Natur, noch ein Gendefekt. Es basiert auf dem Zusammentreffen der verantwortlichen, aber in diesen Fällen nicht kooperierenden Gene.
Hierzu ein ganz simples Beispiel: Der Rückbiss, bei dem es sich (ebenso wie beim Vorbiss) nicht um einen Gendefekt handelt. Die Länge und Breite von Ober- und Unterkiefer, ebenso die Größe der Zähne, werden von mehreren Genen bestimmt, so dass im ungünstigen Fall, bei fehlender Anpassung, ein sogenannter fehlerhafter Biss entstehen kann. Gleiches gilt für das Gaumensegel. Gerade bei unseren Hunden mit eher massigem breiten Kopf und kurzer Schnauze, kann ein im Verhältnis dazu „normal langes“ Gaumensegel, insbesondere in Verbindung mit gleichzeitigem sehr losem Gelefze und bei insgesamt sehr weichem Bindegewebe, im Verlaufe der Lebensjahre zu Leistungsschwäche und weiteren Beeinträchtigungen führen.

Als mögliche negative Folge, sofern es durch das lange Gaumensegel vermehrt oder grundsätzlich über Jahre immer wieder und gehäuft zu Beeinträchtigungen, auf Grund eines fehlerhaften Verschluss des Kehlkopfes kommt, werden u.a. chronische Entzündungen des gesamten Rachenraumes und auch der Atemwege sein. Je ausgeprägter die Beschwerden sind, desto häufiger werden sie von Atemnot/ Sauerstoffmangel begleitet. Es sind fatale Folgen für ein, auch nachweislich über Jahre gesunde, Hundeherz bekannt.

Die Symptome
In den meisten Fällen „schleichen“ sich erste Anzeichen ein. Es sind nicht immer die Oldies, sondern auch schon junge Hunde, die sich vielleicht während eines normalen Spazierganges, z.B. bei Hitze, schnell erschöpft zeigen und einfach hinlegen oder stehen bleiben um sich auszuruhen.

Insbesondere bei Hunden größerer Rassen werden die Symptome, aber auch die weitere Entwicklung, nicht immer richtig zugeordnet. In vielen Fällen wird erst einmal eine allgemeine Infektion als ursächlich angesehen und/ oder die Herzleistung als unzureichend ins Auge gefasst. Wird hier, wie auch damals bei meinem 1. Rüden, keine Fehlleistung gefunden, die Länge/ Größe des Gaumensegels nicht als Ursache erkannt…. . Gibt man sich vielleicht zu schnell mit der positiven Diagnose zufrieden?
Es gibt auch heute noch Tierärzte, die keine Erfahrungen mit Kehlkopflähmungen und/ oder -einengungen haben, die Symptome nicht richtig zuordnen. Zumal diese sich nur langsam verschlechtern, wartet der Besitzer vielleicht auch zu lange mit einem weiteren Tierarztbesuch.
Treten mehrere der folgenden Symptome im Zusammenhang auf:

  • besonders ungewöhnliche Geräusche beim Einatmen (Fiepen)
  • Würgen mit Schaumerbrechen
  • allgemeine Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit
  • schnelles Ermüden
  • Heiserkeit
  • lautes schweres Atmen mit Röcheln bei kleinster körperlicher Anstrengung

sollte der Tierarzt hinzugezogen und der Verdacht einer Kehlkopfeinengung angesprochen werden.
Zeigt sich bereits Atemnot (durch die erschwerte, hechelnde Atmung steigt die Körpertemperatur in wenigen Minuten auf über40°C an), sowie blaue Verfärbungen der Schleimhäute (Verfärben sich die Schleimhäute blau-grau, oder aber auch unnatürlich dunkelrot, ist an die Bildung eines Lungenödem zu denken.) besteht akute Lebensgefahr und der Hund gehört sofort in notärztliche Hände!

Ob, Husten, Röcheln, Fiepen, Würgen, Schleimspucken, Abgeschlagenheit, Unlust oder ähnliche Symptome, längst nicht alles spricht für eine Veränderung oder Erkrankung im Kehlkopfbereich.

Es werden heute viele Untersuchungs- und Operationsmethoden angeboten, die jedoch dem Ausmaß der Beschwerden angemessen sein sollten, wie bei jeder anderen Anwendung und größerer Operation auch.

Selbst wenn sich, bei entsprechender Summierung der zugehörigen Symptome, der Verdacht einer Kehlkopflähmung oder -einengung bestätigt, heißt das nicht in jedem Fall, dass eine Operation notwendig ist. Oft lassen sich die Beschwerden durch medikamentöse Unterstützung und durch entsprechend geringere und kontrollierte Belastung gut beeinflussen. Eine medikamentöse Therapie kann jedoch nicht ausreichend sein, wenn über Jahre nicht beachtete oder falsch eingeschätzte Beeinträchtigungen bereits ihre „Narben hinterlassen“, haben.

So ist, bei entsprechenden Symptomen, sofern sie im Zusammenhang auftreten, immer eine ärztliche Meinung einzuholen.