Die Ernährung des Hovawart

Die Ernährung des Hovawart bietet schon immer Gesprächsstoff für nicht enden wollende Diskussionen. Mit dem stetig wachsenden Angebot aus der Fertigfutterbranche, aber auch durch ein vermehrtes Umdenken vieler Hundebesitzer, hin zur gesunden Ernährung, wird so mancher Futterplan „überarbeitet“. Und so genießen immer mehr Hunde eine Abwechslung in ihrem Futternapf. Oder auch nicht? Denn ein schneller Ein- und Umstieg auf eine dem Organismus völlig fremde Futterzusammenstellung ist für so manchen Hundeverdauungstrakt eine Aufgabe, die nicht immer so einfach bewältigt wird.

Schnell werden dann seitens des Besitzers gute Vorsätze aufgegeben, wenn der Verdauungstrakt des Hundes mit der „Revolution“ nicht zurecht kommt. D.h. eine allmähliche Futterumstellung ist, für alle Altersgruppen, in jedem Fall notwendig, so dass sich die Verdauungsorgane auf die neue Aufgabe einstellen können. Dies ist besonders für Welpen und Oldies sehr zu berücksichtigen! Eine weitere Hürde, die gute Vorsätze sehr schnell ausbremst, sind Aussagen von einigen Tierärzten, Infos aus dem Internet, etc. Zu oft werden so Hundebesitzer verunsichert.

Wer seinen Hund mit gutem Gewissen richtig und gesund ernähren möchte, sieht sich schnell einem Wirrwarr von „wichtigen“ Mengenverhältnissen, Inhaltsstoffen, Nährwerttabellen und Berechnungen ausgesetzt, weil immer und überall auf die Bedeutung der „richtigen Futterzusammensetzung“ hingewiesen wird, um Wachstumsstörungen und gesundheitlichen Schäden vorzubeugen. Dabei ist es so einfach, seinen Hund gesund zu ernähren.

Auch wenn sehr oft der Anschein erweckt wird, dass die Ernährung vieler Hunde von einem mehr „praktischen“ Grund, nämlich dem Griff in die Fertigfuttertüte abhängig ist (die schnellste und sauberste Möglichkeit ein jedes Tierchen zu ernähren), der Schein trügt. Es ist viel mehr die Sorge um die richtige Ernährung weil der Hundebesitzer nur das Beste für seinen vierbeinigen Partner möchte und sich so lieber auf Fix-und-Fertig-Kost verlässt.

Betrachtet man nun den Markt, informiert sich im WWW, wer bietet Ihnen die ausführlichsten Informationen, genaueste Angaben über die in diesem oder jenen Futter enthaltenen Inhaltsstoffe? Wer kann auf Ernährungsversuche / Testreihen mit Testhunden über Jahrzehnte zurückgreifen und diese Daten wissenschaftlich, durch groß angelegte Studien, belegen? Wer hat die finanziellen Möglichkeiten?

Welche Nahrungsprodukte werden von Forschungszentren und Universitäten getestet und bestätigt? Natürlich sind es nicht die aus jahrzehntelangen Erfahrungen von Hundeliebhabern/ Züchtern/ etc.. Und was ist drin, in der Tüte oder Dose? Man kann es nachlesen. Man kann es auch glauben?

Ich erinnere mich an ein „interessantes“ Werbegespräch mit einem Vertreter der Firma XY, während einer Ausstellung. Er bot mir, unserem Verein, verschiedene Trockenfutter-Proben und (natürlich) das beste, weil neueste Futtersortiment zum besonders günstigen Preis. Die angegebenen Inhaltsstoffe waren nicht ungewöhnlich, der Preis ansprechend. Ich wollte aber weitere Informationen; vor allem über die Inhaltsstoffe, die nicht aufgeführt waren, weil nicht aufgeführt werden müssen. Genauer gesagt, interessierten mich die Bezugsquellen der Futterbestandteile, z.B. Getreide, Fleisch, Mehle, etc.. Wo kommen sie her? Handelt es sich um einen kontrollierten Anbau/ Erzeuger? Welche Dünger- oder Aufzuchtmittel werden dort eingesetzt? Das war aber dann doch zu viel für den guten Mann! „Wie soll man denn den wechselnden Erzeugern von Grundstoffen, die ja nun einmal nicht selbst produziert, sondern „eingekauft“ werden, auf die Finger schauen? Nein, die Firma XY garantiert nur für die von ihr verwendeten Zutaten…“

Es soll hier nicht auf die verschiedenen Sorten von Fertigprodukten eingegangen werden, oder auf das Für, nein Wider, einer solchen Ernährung. Ein riesiger Markt, ein gigantisches Angebot von preiswert bis kostspielig, sowie eine Vielfalt von „Einsatzbereichen“, ob Hundegröße, Alter, Gesundheit, etc…, erlauben inzwischen keinen Überblick mehr. Festzuhalten ist jedoch, dass es sich bei allen Futtersorten um Produkte handelt, die niemals den Anforderungen des „natürlichen“ Verdauungstraktes, und somit einer bestmöglichen Entwicklung eines Fleischfresser, gerecht werden können. Wie auch, bei einem selten höheren Fleischanteil von 5 %? Woher aber nimmt der Fertigfutterhersteller wichtige Nährstoffe, u.a. den „richtigen“ Proteinanteil, der laut Angaben genau auf den Bedarf eines jeden Typ (Größe, Alter, Leistung, Gesundheit, etc.) berechnet ist?

Viele Welpenkäufer (ja auch so mancher erfahrene Hunde-Besitzer) kann sich gar nicht so recht vorstellen, dass ein empfohlenes Welpenfutter sich auch negativ auf die Entwicklung eines Hundes auswirken kann. Hier treten, gerade bei schweren Hunderasse, mitunter gravierende Wachstumsstörungen (Skelettentwicklung) auf, mitunter verbunden mit sehr starken Schmerzen in allen Gelenken, sowie unterschiedlich ausgeprägten Lähmungserscheinungen.

Die so erkrankten Hunde zeigen teils derart schwere Schmerzzustände, dass sie sich verkriechen, Bewegungen vermeiden; sich mitunter auch durch Schnappen gegen Berührungen wehren. Wird dem Tierchen nicht schnell, bei entsprechender Behandlung geholfen, stellen sich weitere schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen, begleitet von Fieberschüben ein. Hier ist möglicherweise die gesunde Entwicklung, besonders der großen Gelenke, gefährdet (z.B. OCD).

  • Wie kann es aber sein, dass ausgerechnet ein auf gewisse körperliche Ansprüche ausgerichtetes Futter Schaden anrichten kann?
  • Kann es denn sein, dass der gleichgroße Nachbarshund problemlos, mit dem gleichen Futter wie Ihrer, heranwächst?
  • Wie kann es sein, dass so viele Junghunde aus der Tüte ernährt werden, ohne gesundheitliche Störungen zu zeigen? Ist es der hohe/ niedrige Proteingehalt?
  • Ist es möglicherweise der Kohlehydrate-/ Ballaststoffanteil?
  • Sind es zu viele/ wenige Mineralstoffe?
  • Die Spurenelemente in falscher Dosierung? Ja was ist es?

Die Proteine:
Die am ehesten gestellte Frage beim Kauf von Fertigprodukten lautet: „Wieviel Protein ist für meinen Hund richtig?“ Eine Frage, die nicht mit gutem Gewissen überzeugend beantwortet werden kann. Denn die Qualität des Proteins, also die Proteinquelle ist ausschlaggebend.
Und da ist erst einmal die Frage zu stellen, wie hoch ist der tatsächliche Fleischanteil in einem Fertigprodukt (nicht Fleischnebenprodukte!)? 4%? 5%? Vielleicht sogar 14%? Ja aber woher kommt nun ausreichend hoch verwertbares Protein? Woher kommen die lebensnotwendigen Aminosäuren?

Die hauptsächlichen Proteinquellen eines Fertigproduktes stammen aus pflanzlichen Quellen (Getreide verschiedener Herkunft, Kartoffeln, Möhren, Erbsen, Bohnen, etc.). Dieses pflanzliche Protein ist sehr viel schlechter für den Verdauungstrakt eines Hundes zu verarbeiten, als tierische Proteine. Wenn auch immer noch besser als Proteine minderwertiger tierischer Quellen (Fleischmehle / Fleischnebenerzeugnisse, wie sie in vielen Fertigprodukten enthalten sind) verwertbar.

Die beste und wichtigste Proteinquelle, und Vorläufer für die lebensnotwendigen Aminosäuren, ist für einen Fleischfresser verständlicherweise Fleisch!

Der Hund ist nun einmal, wie seine Vorfahren, ein Fleischfresser. Sein Magen ist für die Verarbeitung von rohem Fleisch „ausgerüstet“. Unter diesem Aspekt wird also sehr wohl verständlich, dass nicht der prozentuale Anteil eines Proteins im Hundefutter interessant ist, sondern seine Herkunft/ Qualität!

Die Kohlehydrate/ Rohfaser/ Ballaststoffe
Die Verdauung von Kohlehydraten beginnt nicht im Hundemagen, sondern erst im Dünndarm. Die Magensäfte sind nicht in der Lage sie zu verarbeiten. (Hierbei sei an die Magendrehung erinnert.) Auf Rohfaseranteile im Futter kann und soll nicht verzichtet werden, da auch ihnen eine „Aufgabe“ zukommt. Sie werden für einen gesunden Verdauungsablauf, u.A. durch Vergrößerung der Stuhlmenge zur Regulierung der Darmtätigkeit, benötigt. (denken wir an die 2-3fache Kotmenge bei Fertigproduktfütterung, gegenüber Fleischfressern!)

Wenig bedacht wird, dass sich ein z.B. sehr hoher Rohfaseranteil im Futter nachteilig auf die Verarbeitung einiger wichtiger Nährstoffe auswirkt. Diese gehen, in die „Ballaststoffmaße“ eingebunden regelrecht unter. Sie können so nicht in vollem Umfang aufgenommen und zur Verwertung aufgearbeitet werden. Sie verlassen ungenutzt mit dem Kot den Körper. Es ist also tatsächlich darüber nachzudenken, inwieweit die Höhe eines Protein- oder Mineralstoffanteil als Haupt-verursacher für Entwicklungs- und gesundheitliche Störungen beim Hund ausgewiesen werden kann.

Verständlich zeigt sich nun gerade, dass Light-Futter (Gewichtsreduzierung) einen wesentlich höheren Rohfaseranteil besitzt, als „gebräuchliches“. Der hohe Rohfaseranteil unterbindet die volle Ausnutzung von vielen Nährstoffanteilen im Futter, bei voller Sättigung, ohne „knurrenden“ Magen.

Ebenso verständlich wird so, dass im Grunde nicht jedes Fertigfutter für jeden Hund, jedes Alter, etc., geeignet sein kann!
Am Rande bemerkt: Sollte es nicht zum Nachdenken anregen, welchen (Un)sinn das Vermischen von Fleisch mit einem Fertigprodukt in einer Mahlzeit macht?

Auch sei erwähnt, dass „richtige“ BARFER niemals Fleisch und Getreide (z.B.) gleichzeitig verfüttern!

Das Calcium/ Phosphor-Verhältnis
Ein niemals endendes Streitthema? Immerhin wird schon seit einigen Jahren vor einem zu gut gemeinten Calcium-Angebot gewarnt. Ich erinnere mich noch an die dringenden Ermahnungen der Züchterin unseres 1. Hovawart, die sie bei jedem Telefonat wiederholte: 10 Kalktabletten pro Tag! Oder ein Calcium-Pulver in bestimmter Dosis. Jaaaaa natürlich! Wie sollte ich ihr erklären, dass Astor das so „präparierte“ Futter nicht anrührte? Dafür aber Joghurt, Milch und Kalbsknochen.

Wir haben so als Laien erste eigene Erfahrungen, ja im Grunde Versuche, mit positivem Ausgang machen können (müssen – was der Hovi nicht frisst, das frisst er nicht). Unter anderem mit dieser „Lehre“ kamen wir dazu, Futterzusammensetzungen aller möglichen Richtungen (verschiedene Fertigprodukte, wie auch die „Hausmannskost“ verschiedener erfahrener Züchter und Ernährungsratschläge in Form von Literatur) zu hinterfragen. Und nur so ließ sich der Nachweis, zuletzt über alle weiteren Hovis und unsere Welpen erbringen, dass die gesunde Ernährung alles andere als schwierig und schon gar nicht vom Taschenrechner abhängig ist.

Es ist darauf zu achten, dass ein gut verdauliches Calcium gelegentlich zur Verfügung steht (in der Welpen- und Junghundezeit etwas mehr). Hierbei sind bestimmte (sh. Tabelle) Milchprodukte besonders geeignet, andere weniger. Eine kontrollierte Gabe ist jedoch nicht nötig.

Oder doch?
Ich greife äußert ungern auf die am meisten verarbeiteten und empfohlenen Kohlehydratquellen, Getreidesorten wie Mais, Weizen, Gerste, Hafer, etc., zurück. Nicht nur, dass das hierin enthaltene Protein einen sehr niedrigen Wert für den Verdauungstrakt des Hundes darstellt und es am ehesten für allergische Reaktionen verantwortlich ist, sondern weil gerade reine Getreideprodukte für ein zu starkes Ungleichgewicht der Mineralien Phosphor und Calcium verantwortlich sind. So enthalten z.B.:
100g Mais – 15 mg CA / 256 mg PH
100g Weizen – 21 mg CA / 254 mg PH
100g Gerste – 38 mg CA / 342 mg PH
100g Hafer – 65 mg CA / 405 mg PH
100g Reis – 23 mg CA / 325 mg PH

Nehmen wir zum Vergleich einige Milchprodukte:
100g Kuhmilch – 120 mg CA / 102 mg PH
100g Milch fettarm – 123 mg CA / 94 mg PH
100g Joghurt fettarm – 123 mg CA / 94 mg PH
100g Hüttenkäse – 100 mg CA / 170 mg PH
100g Quark – 92 mg CA / 160 mg PH
100g Schnittkäse – 800 mg CA / 550 mg PH

Es kommen also viele Faktoren zusammen, die für eine gesunde oder kranke Entwicklung eines jungen Hundes verantwortlich sind. Und nun schauen wir auf das „angepasste“ Fertigprodukt:

Nehmen wir uns das „spezielle“ Futter für 4 Welpen einer sehr großen Hunderasse vor.

  • Hund 1 ist sehr temperamentvoll und stets in Aktion, jedoch mit wenig regelmäßigem Auslauf.
  • Hund 2 ist ein ruhiger Vertreter mit sehr wenig Auslauf.
  • Hund 3 ist sehr temperamentvoll und stets in Aktion, mit reichlich regelmäßigem Auslauf.
  • Hund 4 ist ein ruhiger Vertreter mit reichlich regelmäßigem Auslauf.

Nun wählen Sie für diese 4 Welpen das optimale Fertigfutter aus! Gehört dazu nicht ein wenig Glück?
So ist es also sehr schwierig, seinem Hund das richtige Fertig-/Futter zu servieren? Kann es überhaupt das geben?

Wie gesund oder richtig ein Fertigfutter tatsächlich ist/ war, lässt sich schließlich erst dann sagen, wenn ein so ernährter Hund bis ins hohe Alter gesund und frei von Erkrankungen (z.B. Nieren, Haut, Skelett, Verdauung, etc.) ist.

Selbstverständlich gilt das auch für unsere Hausmannskost!

Selbstverständlich ist nicht jeder ausschließlich mit Fertigfutter ernährte Hund krankheitsanfälliger als der mit abwechslungsreichem Speiseplan. Es müssen schon mehrere ungünstige Prädispositionen zusammentreffen. Es zeigt aber, dass die tägliche gleiche Einnahme (ich bezeichne es als solche, weil die Futtermenge für jede Hundegröße, verschiedene Altergruppen, ja sogar teils für bestimmte Hunderassen, genau berechnet ist und nach Anweisung der Hersteller auch genau eingehalten werden soll), sich ungünstig auswirken kann.

Nachdenklich stimmen muss doch, wie ein „optimal angepasstes“ Produkt immer noch verbessert werden kann, wie der Markt besagt?! Gut ist dann doch immer noch nicht gut genug! Und das „Beste“ kann nicht das Beste sein, wenn es immer noch ein bisschen besser wird! Für mich selbst ist undenkbar, dass ein Futter das Tag für Tag, ein ganzes Hundeleben lang, gefüttert wird, gesund sein kann. Immerhin ist darüber nachzudenken, was für uns Menschen gesund ist. Zeigen sich nicht auch bei uns die Folgen einer einseitigen Ernährung erst (zu) spät?

Das Gewissen
Ein vielleicht unverständlicher Aspekt ist darin zu sehen, dass mich das schlechte Gewissen plagen würde, müssten unsere vierbeinigen Familienmitglieder sich Tag für Tag mit dem gleichen „Menü“ zufrieden geben.

Artgerecht?
Spricht man nun von artgerechter Ernährung, wird gerne, weil artgerecht, auf Innereien wie Leber, Milz, Nieren, Herz, etc. verwiesen, deren gelegentlicher Verzehr nicht schaden wird, aber längst nicht jedem Hund bekommt. Inzwischen gibt es hinsichtlich eines „artgerechtem Fressverhalten“ von Wildhunden/ Wölfen/ Füchsen sehr widersprüchliche Angaben. Die bis vor einigen Jahren aufgestellten Behauptungen, die sich auf unterschiedliche Erfahrungen und Beobachtungen stützen, und davon überzeugen sollen, dass wildlebende Fleischfresser immer zuerst die Innereien einer Beute verzehren und zuletzt den übrigen Kadaver, sind nicht wirklich glaubhaft zu machen, wie inzwischen Erfahrungen und Berichte bestätigen.

Ich selbst konnte im Verlaufe von Jahren (im Kleinen) beobachten, dass Füchse sich nicht, wie gerne berichtet, vorzugsweise der Innereien eines toten Tieres (Rehe, Igel, Dachs, etc., z.B. nach Unfällen) bedienen, und insbesondere das Gedärm, gar nicht oder erst viel später verzehrt wird. Solche Beobachtungen werden von einigen Forschern und Wildhütern bestätigt. Sicher spielt hier das aufzufindende „Futterangebot“ eine wesentliche Rolle.

Beobachte ich im Winter das Füchschen auf unserem Kompost, wie es sich bemüht einen Berg Rindertalg aus der letzten Pansenverarbeitung abzutransportieren…? Sicher ist das alles andere als artgerecht. Aber es steht zur Verfügung und ganz sicher ist es zu einer solchen Jahreszeit für sein Energiedepot sinnvoll. Ob es jetzt wohl mit dem gleichen Genuss rohes Korn oder Gemüse herunterschlingen würde? Hält man sich weiter vor Augen, was so alles auf dem Speiseplan von wildlebenden Kaniden zu finden ist, so wird auch die Vorliebe unserer Hunde für Erdbeeren, Blaubeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Kirschen, Nüsse, Gewürzkräuter, etc., verständlich. Ebenso ihr Verlangen nach bestimmten, genau ausgewählten Gräsern, nach dem Genuss von schwerverdaulichen Leckereien (Schweineohr, Knorpel, Büffellederknochen, etc.).

Artgerechte Ernährung für einen Familienhund?
Eine artgerechte Ernährung wie sie freilebenden Fleischfressern zukommt, ist wohl für unsere Haushunde kaum möglich. Das ist auch gar nicht nötig! Letztendlich heißt „artgerecht“ nicht unbedingt gesund und richtig. Vergessen werden darf nun einmal nicht, dass bereits unsere Welpen nicht „artgerecht“ ernährt und aufgezogen werden. Wie denn wohl auch? Stellen Sie sich ihren ersten Besuch in einer Welpenstube vor: Die vielleicht 6 Wochen alten Babys zerkleinern gerade ihre Futterration. Einen riesigen Fleischbrocken, der von diesen kleinen Tierchen „bezwungen“ werden soll. Vielleicht finden Sie nicht nur einen großen fleischhaltigen Kalbsknochen, sondern einen ganzen Kalbsschädel im Welpenauslauf? Wahrscheinlich fühlen sich die Kleinen sauwohl in ihrem „artgerechten“ Auslauf, einer abgelegenen Gartenecke, in der sie sich frei und ohne Einschränkung, durch menschliche Hand, entwickeln können?

Unsere Welpen werden durch unsere Aufzucht auf ein Leben in der Familie (im Haus) vorbereitet; die Ernährung wird sehr abwechslungsreich gestaltet und erfolgt nach bestem Wissen auf der Basis jahrzehntelanger Erfahrungen.

Was benötigen unsere Hunde um gesund und fit zu bleiben?
Hierzu erst einmal die Überlegung:
„Welche Nährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine benötigt ein Hund tatsächlich?“ Sie haben die Möglichkeit Fachbücher zu wälzen, sich eine Ernährungstabelle per Computerprogramm erstellen zu lassen. Besser, vor allem preiswerter, Sie lassen einfach Ihren ganz natürlichen Verstand walten. Der Hund benötigt im Grunde die gleichen Nährstoffe wie der Mensch: Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Rohfaser, Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Wasser. Nur(!!!!) in einem anderen Mengenverhältnis. D.h. mindestens 2/3 seiner Mahlzeit sollte aus Fleisch bestehen, max. 1/3 aus Beilagen wie z.B. Kartoffeln, Reis, Nudeln, Haferschleim oder Gemüse. Da Hunde pflanzliche Nahrung nicht ohne Weiteres verdauen können, müssen pflanzliche Bestandteile für den Hundenapf gegart und fein püriert oder durch Zusätze oder industrielle Bearbeitung (Fertigprodukte) aufbereitet werden. Erhält der Hund pflanzliche Nahrungsbestandteile vorverdaut, nämlich als Bestandteil von grünem Pansen, kann sein Verdauungstrakt diese restlos verarbeiten. Insofern ist die Zugabe von Gemüse und anderen pflanzlichen Futtermitteln zur Pansenmahlzeit nicht unbedingt nötig; sei denn zur Gewichtsreduzierung oder Stuhlregulierung (bei zu festem Kot). Das alleinige Verfüttern von grünem Pansen, über einen längeren Zeitraum ruft, wie unsere Erfahrungen lehren, keine Entwicklungs- bzw. Wachstumsstörungen hervor (Vitamine: A, E, B1, -2, -3, -4, -5, -6, -7, -9, -12, C, D, E/ Spurenelemente: Eisen, Fluor, Jod, Kupfer, Mangan und Zink/ Mineralstoffe: Calcium, Chlor, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor, Schwefel). Im Gegenteil, die hier „mitgelieferten“ Bakterien sind für den Verdauungstrakt sehr wertvoll. Sie sind natürlich! Sie vertreiben schädliche oder unnütze Schmarotzer im Darmtrakt und stimulieren eine gesunde Funktion, ähnlich wie z.B. ein Probiotica. Ein gesunder Verdauungstrakt bietet Schmarotzern keine Lebensgrundlage! So habe ich noch nie bei einem „Pansenhund“ den Nachweis von irgendwelchen unnützen oder schädlichen Darmschmarotzern (Würmern) erhalten! Weder bei meinen eigenen (Welpen wie ausgewachsenen Hovis), noch bei mir bekannten Hunden!!!! (Dies gilt nicht bei Verfütterung von ausschließlich gegartem Fleisch, oder Fütterung von Fertigprodukten!).

Darf man den Experten für Hundeernährung glauben, so ist nur ein Hund gesund, der täglich mit allen „lebensnotwendigen Materialien“ versorgt wird. Welche und in welcher Menge?
Ist das tatsächlich so? Also müssten im Winter alle wildlebenden Fleischfresser ungesund leben, weil das Angebot an Beeren, Kräutern, Gräsern, etc., auch für ihre Beutetiere, nicht vorhanden ist? Und was mache ich, wenn mein Hund mir sagt „das fresse ich nicht“? Einer unserer Rüden hätte ständig Mangel-erscheinungen zeigen müssen, weil er eine andere Vorstellung von gut und richtig hatte, als ich. Wie überhaupt unsere „Gourmets“ ganz eigene Vorstellungen von „gesund“ haben, was keinem von ihnen je schadete. Unter Berücksichtigung einiger ganz einfacher Regeln, wird jeder Hund ohne Tabellen, Taschenrechner und Sonderkosten gut und gesund ernährt.

Der Speiseplan unserer Hovawart-Hunde
Unsere Hunde erhalten, vom Welpen- bis hin zum Greisenalter, grundsätzlich die gleiche Nahrung. Eine Ausnahme stellt die Menge, das Mengenverhältnis einiger Nahrungsbestandteile (nicht des Protein), so wie eine mögliche Futterunverträglichkeit dar. Hier sei z.B. das allabendliche Betthupferl unserer Hunde erwähnt, ein Becher Kuhmilch, das nicht von allen unseren Hunden vertragen wird/ wurde.
Auf einen für ältere Hunde allseits empfohlenen erhöhten Kohlehydrate/ Ballaststoffanteil, der im Alter einer Darmträgheit vorbeugen soll, konnten wir bei unseren Oldies immer verzichten, da ihre Verdauung bei unserer abwechslungsreichen Kost völlig unkompliziert funktionierte. Im Gegenteil, wir haben festgestellt, dass eine erhöhte „pflanzliche Beilage“ sich bei den meisten unserer Oldies eher nachteilig auf die Festigkeit eines Häufchens auswirkte.

So konnten wir ein optimales und angepasstes, also ein gesundes Wachstum, bisher bei unseren eigenen Hunden immer sicherstellen und bei den von uns gezüchteten Welpen garantieren, sofern ihre Besitzer unseren Futterratschlägen folgten. Bei so ernährten Welpen sind bisher Wachstumsstörungen, verbunden mit Schmerzen, Gelenkveränderungen oder Lähmungserscheinungen nicht aufgetreten.

In unserer eigenen Hundeküche gelten lockere „Grundregeln“ bei der Futterzusammenstellung. Diese haben sich viele Jahre bestens bewährt und garantierten immer „weder ein Zuviel auf der einen, noch ein Zuwenig auf der anderen Seite“. Wir haben im Verlaufe der Jahre den Futterplan für unsere Hovis kaum verändert. Jedoch sind Einschränkungen/ Korrekturen von Hund zu Hund, notwendig, weil die „Ansprüche“ an den Napfinhalt nicht bei jedem unserer Hovis gleich sind.

Im Groben gibt es folgende Regeln:

  • Der Speiseplan muss abwechslungsreich sein.
  • Der Speiseplan sollte dem Gewicht eines Hundes angepasst sein. D.h. nicht die Menge, sondern die Zusammensetzung.
  • Rohes grobes Gemüse kann das Verdauungssystem des Hundes nicht verarbeiten. Es muss püriert besser gegart gereicht werden.
  • Keine scharfen Gewürze wie Pfeffer, Paprika, etc.
  • Keine Wurstreste Keine verdorbenen Lebensmittel Keine Süßigkeiten
  • Alle Fleischarten, außer Rindfleisch und Pferd, gegart
  • Keine Knochen, außer Kalbsröhrenknochen roh, und
  • vor allen Dingen nichts was der Hund ohnehin nicht fressen mag, oder nicht verträgt.

Wie schaut unser eigener Speiseplan für unsere Hunde seit über 30 Jahren aus?
Er beinhaltet (Fleisch – außer Pferd, Rind, etc. immer gegart) grundsätzlich

  • grünen Pansen ( 2/3 bis 3/4 der Tagesration)
  • anteilig wechselnd dazu Schweine-, Lamm-, und Rindfleisch, Hähnchen, Huhn, Fisch, etc.
  • gelegentlich, eher seltener, Rinderherz oder -leber
  • gelegentlich Leckereien wie Fleischklopse, Käsestangen, etc.
  • 1 – 2 Ei pro Woche (besonders beliebt Rührei mit Sahne)
  • verschiedene Milchprodukte wie Quark, Joghurt, Hüttenkäse, Käse, die wechselnd täglich für 1 kleine Mahlzeit geeignet sind. (Warum wechselnd? Sh. Nährwerttabelle)
  • gelegentlich altbackenes Brot mit Pflanzenmargarine und einem Hauch Leberwurst oder Frischkäse
  • wechselnd gegarte pflanzliche Beilagen (entweder Kartoffeln, oder – Reis, Nudeln, Möhren, leicht verdauliche Kohlsorten, Äpfel, Petersilie, Kräuter der Saison, etc.)
  • schon mal eine Kelle vom Gemüseeintopf (ohne Gewürze)
  • sowie natürlich Knabbereien von Hundekuchen über Rinderohren zu Kalbsknochen, etc.

Die gesunde körperliche Entwicklung aller unserer Hunde beweist, wie auch die der von uns aufgezogenen Welpen, unsere jahrzehntelange richtige Fütterungspraxis, die keinerlei komplizierter Berechnungen unterliegt, sondern lediglich dem gesunden Menschenverstand und dem Wissen um die Funktion der Verdauungsorgane eines Hundes.