Die Magendrehung

Die Magendrehung gehört zu den Erkrankungen, vor denen sich viele Hundebesitzer fürchten. Und sie tritt immer häufiger auf, ohne dass die tatsächlichen Ursachen wirklich bekannt sind. In Amerika wird die Magendrehung, als zweithäufigste Todesursache bei Hunden, nach den Tumorerkrankungen, angegeben. Aus diesem Grund bedient man sich dort inzwischen schon länger einer relativ einfachen Technik, um das Risiko bei besonders gefährdeten Rassen auszuschalten; der Magen wird an der Bauchwand fixiert, somit wird eine Drehung unmöglich gemacht.

Es gab dort vor einiger Zeit diesbezüglich eine über 10 Jahre laufende Studie, in die über 2.000 Hunde aller Größen und Rassen einbezogen wurden. Sie erschien viel versprechend. Jedoch kam die Arbeit nie zum Abschluss, bzw. es gab nie eine Veröffentlichung. So ist davon auszugehen, auch hier waren bei der Ursachenforschung keine wirklichen Erfolge zu verzeichnen. Dort wie auch in unseren Regionen wurden/ werden viele Gründe als ursächlich angesehen, jedoch den Beweis ist bisher noch jeder schuldig geblieben. Für etwas vorsichtigere Hundebesitzer sind jedoch diese verschiedenen möglichen Risiken oft beängstigend.

Schauen wir uns einmal die genannten möglichen Ursachen an.
Es wird vermutet: wenige Mahlzeiten am Tag erhöhen die Gefahr. Daher wird geraten möglichst 2-4 Mahlzeiten zu geben. Das soll die Gefahr vermindern. (Begründung: der Magen soll auf diese Weise nicht übermäßig belastet, der Halteapparat nicht überdehnt werden.)
Andererseits wurde festgestellt, dass eine Magendrehung vornehmlich bei wenig bzw. halbgefülltem Magen auftritt. Was wiederum der Vermutung widerspricht, dass große Futtermengen als ursächlich bekannt sind. (Begründung: In diesem Zustand ist eine große Gasansammlung möglich, die wiederum den Magen „verschließen“ können.)
Es wird insbesondere davon ausgegangen, dass die heutige, im Verlaufe der Jahre häufig geänderte, Zusammensetzung der Fertigprodukte hieran maßgeblich beteiligt ist. (Begründung: das heutzutage, auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmte Futter, enthält viele Bestandteile, die der Hundemagen nicht verarbeitet. Entsprechend zeigt sich die Kotmenge. D. h., es besteht aus unverdaulichen Abfällen, die mit den erforderlichen Nährstoffen angereichert sind. Die aufgenommene Nahrungsmenge ist im Verhältnis zur natürlichen Ernährung unverhältnismäßig hoch, liegt doppelt so lange im Magen. Dies bedeutet, es wird entsprechend lange Magensäure produziert um besonders Kohlehydrate und Fette verarbeiten zu können.)

Meiner Meinung nach ist darüber nachzudenken, ob sich nicht hier ein bedeutender Ansatz findet. Denn ist ein bestimmter Säuregehalt im Magen erreicht, entspannt sich die Magenmuskulatur und entlässt einen bestimmten Teil des Nahrungsbreies durch den Magenpförtner in den Darm. Da jedoch die darmseits liegenden Muskeln sehr empfindlich auf Magensäure reagieren, sich bei Berührungen mit dieser zusammenziehen, wodurch der Pförtner verschlossen wird, wäre denkbar, dass einer übermäßigen Säureproduktion mehr Bedeutung zukommt, als angenommen.

Es heißt zum einen: „augenscheinlich macht die Fütterung von eingeweichtem Futter gegenüber trockenem keinen Unterschied“.
Es heißt zum anderen: „Risikohunde sollten nur angefeuchtetes oder Feuchtfutter erhalten“. (Grund könnte sein, dass so die Verweildauer der Nahrung, sowie die Säurebildung verkürzt wird.)

So wird dem Futter ein Einfluss zugeordnet, bedingt durch seine Zusammensetzung (sh.o.), besonders durch einen hohen Kohlehydratanteil, sowie die oft enthaltene Zitronensäure oder/ und ein hoher Fettgehalt.

Sehr frisches Brot muss erwähnt werden! Es kann u.U. im Hundemagen eine auffällige Gärungsform bewirken und wird daher als besonders risikoreich angesehen.
Als Risikohunde kommen nach heutigen Erkenntnissen nicht nur große Hunde mit tiefem Brustkorb in Frage, sondern auch kleine und mittelgroße. Jedoch tritt die Magendrehung besonders bei der Deutschen Dogge sehr oft auf, was mit hoher Wahrscheinlichkeit an einen genetischen Hintergrund knüpft. Es kann nicht bestätigt werden, dass der schmale Brustkorb eher eine Magendrehung begünstigt, als ein breiter.

Rüden sind in allen Hunderassen doppelt so oft betroffen als Hündinnen. Ältere Hunde tragen ein höheres Risiko als jüngere. Eine Trägheit des Verdauungsapparates wird beim alten Hund relativ häufig beobachtet. Es ist zu überlegen, ob hier nicht die für ihn gewählte Futterzusammensetzung verantwortlich ist. Der alte „müde“ Magen wird von einer zur anderen Mahlzeit nicht mehr komplett entleert. Es bleibt jeweils ein „in Arbeit“ befindlicher Nahrungsbrei mit Säureanteil im Magenkörper zurück. Gebildete Gase sind noch nicht entwichen, wenn bereits frische Nahrung „nachgefüllt“ wird.)

Durchgeführte Studien erbrachten einerseits keinen Nachweis dafür, dass Bewegung nach der Nahrungsaufnahme als Risikofaktor anzusehen ist.

Dennoch wird grundsätzlich geraten,

  • das Toben nach einer Mahlzeit zu unterbinden. Es ist sicher nachzuvollziehen, dass „unglückliche“ Bewegungen, wie abruptes Abbremsen im Bergablaufen, Stufenhinabspringen, Wälzen im Gras, etc., eine Magendrehung zur Folge haben können. Aber es sind Unglücksfälle, die sich sicher nicht beeinflussen lassen. Man kann seinem Hund nicht jede Lebensfreude nehmen und alles ganz natürliche Verlangen unterbinden. Die Erfahrung lehrt ohnehin, dass die meisten Drehungen nachts im Ruhestadium erfolgen.)
  • die letzte Mahlzeit mindestens 4 Stunden vor einem Spaziergang zu füttern.
  • nach einem Spaziergang, vor der Mahlzeit, eine 1-2stündige Pause einzuhalten. (Auch das halte ich für nicht durchführbar oder nötig. Bei einer z.B. wie zuvor erwähnten Fütterung von bis zu 4 Mahlzeiten pro Tag……?)

Als Risiko wird auch die hastige Nahrungsaufnahme nach längerem Fasten eingestuft. Z.B. nach vorausgegangener Magen-Darmerkrankung. (Der Magen funktioniert noch eingeschränkt und reagiert „nervös“ auf die plötzliche Belastung.) Erinnern wir uns eigener Magen- und Darmerkrankungen! Wurde lange Zeit der Rat erteilt, den Stand der Futterschüssel zu erhöhen, wird heute angenommen, dass dadurch die Magendrehung begünstigt wird. (Die hochgestellte Schüssel ermöglicht ein zu schnelles Herunterschlingen der Nahrung.)

Nun schauen wir auf weitere mögliche Gründe, bedingt durch z.B.

  • im Magen befindliche Fremdkörper. Diese können, je nach Lage und Größe, den Magenein- bzw. Magenausgang verschließen, oder aber auch, weil unverdaulich zu übermäßiger Gasansammlung führen, die wiederum den Magenein- und Ausgang mitunter versperren kann (Gase entstehen oft erst Stunden nach einer Mahlzeit).
  • ein ständiges „Überladen“ des Magens, auf Grund zu großer Futtermengen. (Es ist verständlich, dass jedes Gewebe ständigem großen Gegendruck mit der Zeit nachgibt. Die Magenwände leiern aus, die Magenmuskulatur bringt nicht mehr die erforderliche Leistung.) Sh. alter Hund
  • eine Gewebeschwäche der Magenaufhängung /Bänder. (Diese kann durch das zuvor erwähnte Überladen hervorgerufen werden, genetisch bedingt sein, aber auch als Folge einer bereits überstandenen Magendrehung bestehen.).
  • einen schlaffen Magen. (Die Magenentleerung ist verzögert. Der Inhalt bleibt länger als gut im Magenkörper zurück, so dass „gasbildende“ Keime wie Streptokokken, insbesondere Milchsäurebakterien, Hefen, etc., unerwünscht stark in die Verarbeitung des Mageninhaltes eingreifen. Es entstehen vermehrt Gase, die einen übermäßigen Druck auf die Magenwand ausüben. Durch den Druck wölbt sich der Magen ungewöhnlich stark auf. Die Magenmuskulatur erschlafft und kann ihre Aufgabe nicht wahrnehmen. (Sh. auch alter Hund)

Und nun vergleichen wir den Hundemagen in seiner Eigenschaft als „Sammelbecken“ vieler Einflüsse und Empfindungen, mit dem des Menschen. Schlägt nicht auch unseren Hunden so manches Erlebnis, manche Begebenheit auf den Magen? In der heutigen Zeit sind unsere Hunde sehr großen Belastungen ausgesetzt. Viele Situationen, die wir Menschen als vollkommen normal ansehen, sind für sie Stress, Ärger. Bringen Spannungen und Missverständnisse. Viele der von Hunden heute gezeigten Magenverstimmungen/ -probleme, sind auf emotionale Irritationen zurückzuführen. Störungen im Magen-Darm-Bereich sind die häufigsten Reaktionen auf Stress.

  • Es wird schon lange angenommen, dass besonders psychische Faktoren offensichtlich grundlos auftretenden Durchfall verursachen können, der sich schwer beeinflussen lässt, da man der Ursache nicht gleich auf den Grund geht.
  • Fressen unverdaulicher Dinge wie Kunststoff, Steine, Sand, Kot, etc..
  • Futteraufnahme unter Angst und Stress
  • hastige Futteraufnahme mit Luftschlucken
  • (Ängstliche, meist durch Stress bedingt aggressive Hunde, werden als stärker gefährdet angesehen, als ausgeglichene Hunde.)
  • Ein möglicher genetischer Hintergrund darf nicht übersehen werden!

Die Gründe für eine Magendrehung sind sehr vielgestaltig, so dass der wirkliche Auslöser sicher mehr ein unglücklicher Zufall, eine Verkettung vieler Umstände ist. Aber ohne Zweifel gelegentlich einem genetischen Hintergrund zuzuordnen ist: dem einer generellen Muskulatur- und Bänderschwäche. Ein genetischer Hintergrund ist spätestens dann nicht von der Hand zu weisen, wenn mehrere Wurfgeschwister von einer Magendrehung überrascht werden. So ist denkbar, dass besonders Hunde mit insgesamt weichem Bindegewebe, losem Gangwerk (bis ins hohe Alter) und schwacher Muskulatur eher einem Risiko ausgesetzt sind, als ihre „strammen“ Artgenossen.

Wie beugt man also einer Magendrehung vor?
Ich muss zugeben, dass selbst nach vielen Recherchen kein wirklich brauchbarer Rat zustande gekommen ist. Hier kann nur der vernünftige Menschenverstand zu Hilfe genommen werden, um mögliche Ursachen auszuschalten. Jedoch darf dies nie dazu führen, dass die Lebensfreude eines Hundes darunter leidet. Ich meine, dass die hier genannten Punkte zum Nachdenken anregen und, soweit sie auf den einen oder anderen Hund (den Moment) zutreffen, entsprechend berücksichtigt werden.

Die Symptome für eine Magendrehung
sind leider nicht immer auffällig, so dass jede Hilfe (jede Minute zählt!!) oft zu spät kommt. Der Besitzer wird meist erst aufmerksam, wenn sein Hund immer wieder würgt, ohne Futter zu erbrechen. Vielleicht ist der Hund unruhig, speichelt, stöhnt, läuft sehr vorsichtig bei gestreckter Haltung aber gekrümmtem Rücken. Oder aber er zieht sich in eine Garten- oder Hausecke zurück. Der Tierarzt würde bereits jetzt Atemnot, Herzrasen, schwachen Puls und blasse Schleimhäute bemerken. Innerhalb kürzester Zeit (1 Stunde) treibt der Bauch durch den fortlaufenden Gärungsprozess (Gase können nicht entweichen) tonnenförmig auf und fühlt sich steinhart an. Magenein- und Magenausgang werden abgeklemmt. Die Speiseröhre wird, ebenso wie Milz und Dünndarm, gelegentlich in Mitleidenschaft gezogen. Ohne einen schnellen Eingriff werden viele Blutgefäße abgequetscht, Organe irreparabel geschädigt. Der gewaltige Magenumfang drückt auf Zwerchfell und Lunge, macht eine Blutzufuhr unmöglich. Dies führt in folge zu einer Kreislaufschwäche und schließlich zum Kreislaufversagen. Es besteht akute Lebensgefahr und nur eine sofortige OP kann (vielleicht) das Leben des Hundes retten. Der Tierarzt wird vor einem operativen Eingriff zuerst versuchen, Herz und Kreislauf zu stabilisieren. Der Magen wird mittels Perforation entgast und, sofern ein Fremdkörper ausgeschlossen wurde, ungeöffnet in seine korrekte Lage gebracht. Es ist dringend darauf zu achten, dass eine nochmalige Drehung durch Befestigung des Magen an der Bauchwand unmöglich gemacht wird. Dies ist ein nur sehr kleiner Aufwand und nimmt kaum Zeit in Anspruch.

Die ersten 3 Tage nach der Operation werden grundsätzlich als sehr kritisch angesehen, da die Überlebenschance weniger von dem eigentlichen Eingriff, als von den zuvor geschädigten Organen und zerstörten Blutgefäßen abhängt, sowie von länger anhaltenden Herzrhythmusstörungen, die in vielen Fällen schließlich doch zum Tode führen.

Ist der Hund einmal genesen, kann und soll er wieder ein ganz normales Leben führen.