Die Schilddrüsenunterfunktion

Ach der arme alte Hund, mit traurigem Blick schlappt er kraftlos neben seinem Führer her. Sein steifer Gang, die lustlos herabhängende Rute, die ergraute Schnauze, das schüttere stumpfe Haarkleid, die augenfällig überzähligen Pfunde, die sicher nicht ganz unschuldig an dieser trostlosen Gestalt sind,…. Ein Mitleid erregender Anblick. Vielleicht kommt man mit dem Hundeführer ins Gespräch und erfährt, dass sein Hund, mit gerade einmal 4 Jahren gar nicht alt ist.

Vielleicht wurden bereits Untersuchungen durchgeführt, um die Symptome zuordnen zu können? Vielleicht wird aber auch dem „Zustand“ des Hundes keine Bedeutung beigemessen. Es ist wie es ist. Und das hat fatale Folgen, weil sich sehr häufig, eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hinter solch einem auffälligen Erscheinungsbild befindet, die dringend eine lebenslange medikamentöse Behandlung erforderlich macht.

Die Schilddrüse des Hundes ähnelt (wie die verschiedener Säugetiere) einem Hufeisen, das aus zwei miteinander verbundenen Seitenlappen besteht. Diese sind seitlich und etwas oberhalb der Luftröhre gelagert. Die Schilddrüse wird durch mehrere bindegewebsähnliche Streifen in sehr feine Läppchen unterteilt. Diese Läppchen setzen sich aus vielen kleinen Bläschen zusammen, sogenannte Follikel, in deren Zellen die beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin (Tetrajodthyronin T4) und Trijodthyronin (T3) produziert werden.

Diese (lebens)wichtige Hormondrüse ist sehr störanfällig gegenüber verschiedensten Einflüsse von außen, z.B. durch Infektionen, Medikamente, Lebensumstände wie Stress, etc.. Sie zählt zu den zentralen Steuerkreisen des gesamten Stoffwechsels, ohne den kein Organismus funktionieren kann. In Zusammenarbeit mit der Hypophyse hält sie einen Regelkreis aufrecht, der die bedarfsgerechte Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen zuverlässig regelt. Bedarfsgerecht insofern, dass die für die Leistung des gesamten Organismus jeweils erforderliche Menge von Hormonen, u.a. abhängig von verschiedenen Einflüssen, zur Verfügung gestellt wird. Wobei der Bedarf von Mensch zu Mensch, von Hund zu Hund, sehr unterschiedlich ausfällt. Wird der jeweilige Bedarf nicht ausreichend abgedeckt, laufen entsprechend alle Verbrennungsprozesse des Körpers auf Sparflamme. Der Einsatz von Schilddrüsenhormonen scheint zwingend erforderlich. Andererseits kann unter „unberechtigter“ oder „unkontrollierter“ Behandlung mit Schilddrüsenhormonen negative Folgen auftreten.

Der gesunde Funktionskreis der Schilddrüse ist in erster Linie auf das Spurenelement Jod angewiesen. Die Schilddrüse ist ohne Jod, das der Körper nicht selbst herstellen kann, nicht in der Lage die Hormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) ausreichend zu bilden (chemisch gesehen ist Thyroxin eine Jod-Eiweißverbindung). Für die Versorgung mit diesem Spurenelement, das von der Schilddrüse aus dem Blut „abgefangen“ wird, ist somit die Ernährung eine zu beachtende Grundlage. (Überschüssiges Jod wird normalerweise, durch Abbau der Hormone, über den Darm und die Nieren vom Körper ausgeschieden und muss stetig dem Körper neu zugeführt werden.)

Nur in einem lückenlosen regelrechten „Arbeitskreis“ zwischen

  • Schilddrüse (Bildung der Hormone T4 und T3)
  • Hypothalamus (verantwortlich für die Ausschüttung des TRH=Thyreoliberin)
  • Hypophyse (die mithilfe des TRH zur Ausschüttung von TSH =Thyreotropin aufgefordert wird,) das wiederum die Schilddrüse auffordert, ihre Hormone über die Blutbahn an ihre Bestimmungsorte zu verschicken,hier auch an Hypothalamus und Hypophyse, die hier wiederum den Gehalt von T4 und T3 im Blut kontrollieren und bei Bedarf ihrerseits tätig werden. Mit dem Anstieg des Thyroxinspiegel, wird in sinnvoller Weise die Bildung von TRH und TSH gehemmt.
  • und Ernährung (Aufnahme des Spurenelement Jod) möglich.

Fällt ein, nennen wir es „Mitarbeiter“ aus, ist dieser Kreis unterbrochen, sämtliche weiteren Funktionen des Kreises werden somit nicht mehr kontrollierbar durchgeführt, da seine „Arbeit“ nicht übernommen werden kann.

Die Aufgabe der Schilddrüsenhormone (T4 und T3)

Diese von der Schilddrüse gebildeten Hormone stimulieren den gesamten Stoffwechsel, halten ihn und die Funktionstüchtigkeit sämtlicher Organe aufrecht.
Sie…

  • …steigern den gesamten Energieumsatz und die Wärmeproduktion des Körpers und erhöhen den Sauerstoffbedarf.
  • …stimulieren den Abbau von Fetten und Glykogen.
  • …wirken eiweißaufbauend
  • …fördern das Wachstum und die Reifung des Zentralnervensystems
  • …bewirken eine Aktivitätszunahme des Nervensystems
  • …kontrollieren und leiten die Arbeit des Herzens
  • …steigern die notwendige Erregungsbildung und Erregungsleitungsgeschwindigkeit
  • …sind in der Wachstumsphase enorm wichtig für das gesamte normale Körperwachstum, sowie für die physiologische Gehirnentwicklung
  • …dürfen in der embryonalen Entwicklung nicht fehlen.

Erworbene Erkrankungen (etwa 10 %) bedingt durch u.a. verschiedenste Umweltfaktoren, wie:

  • die Thyreoiditis – Eine Entzündung der Schilddrüse, durch die funktionstüchtiges Schilddrüsengewebe vernichtet wird. Derartige Schilddrüsenentzündungen werden nicht immer bemerkt. Ihr Verlauf ist akut, subakut oder chronisch. Unbehandelt können sie, wenn auch eher selten, verantwortlich für eine Schilddrüsenunterfunktion gemacht werden, da durch Entzündungen zerstörtes Schilddrüsengewebe endgültig verloren ist. Da diese Form der Entzündung gelegentlich unerkannt bleibt, und ohne Behandlung ausheilen kann, fehlt diesbezüglich meist ein Nachweis.
  • Stress
  • jodarme Ernährung, somit ungenügende Hormonbildung in folge von Jodmangel
  • insbesondere Medikamente
  • Verdrängung durch Neoplasmen
  • durch Störungen im Nieren- oder Darmbereich

Es können also einige Erkrankungen, wie z.B. auch diverse Hauterkrankungen, die verschiedensten Medikamente, Nieren- oder Lebererkrankungen, etc. mit verantwortlich sein für falsche/ erniedrigte T3 und T4-Werte im Blut, sofern sie sich hemmend auf die Leistung der Schilddrüse auswirken. Es zeigen sich gar nicht selten, insbesondere nach einer medikamentösen Behandlung (u.a. Cortison, Antibiotika, etc.) verschobene Blutwerte. Am Rande sei zu bemerken, dass generell Befunde durch labordiagnostische Maßnahmen, die kurzzeitig nach einer medikamentösen Therapie durchgeführt werden, mit Vorsicht zu genießen sind.

Die primäre Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

wird durch einen Mangel an T4 und T3 verursacht. Die Schilddrüse ist nicht in der Lage, selbst genügend Hormone zu produzieren. Diese Form der Unterfunktion gilt als eine der am häufigsten festgestellten endokrinen Störung bei Hunden. Während sie sich bei größeren Hunden/ Rassen, mit ihren mehr oder weniger ausgeprägten, dennoch aber „typischen“ Auffälligkeiten, relativ früh zeigt, in der Regel im Alter von etwa 2-4 Jahren (gelegentlich, in eher seltenen Fällen, bereits im 1. Lebensjahr, dazu später mehr), bestätigt sich oft, dass kleine Hunde/ Rassen, meist erst in der 2. Lebenshälfte auffällige Krankheitssymptome zeigen. Allerdings können nachweislich Hunde jeden Alters betroffen sein.

 

Die sekundäre Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

wird ursächlich durch eine Störung, meist tumoröser Natur, im Bereich von Hypophyse oder Hypothalamus und einem dadurch bedingten TSH-Mangel verursacht.

 

Die Autoimmun-Thyreoiditis

findet ihren Auslöser darin, dass die Abwehrmechanismen (Antikörper) eines Körpers das eigene Schilddrüsengewebe angreifen und vernichten. Infolgedessen schrumpft oder vergrößert sich deren Gewebe, ist nicht ausreichend funktionsfähig. Der Hormonhaushalt wird zunehmend stark beeinflusst, kann schließlich nicht mehr aufrecht erhalten werden. Jedoch kann die Hormonproduktion erst einmal völlig normal, gesteigert, aber auch stark eingeschränkt verlaufen. Als Folge dieses Ungleichgewichtes führen chronische Entzündungen (Thyreoiditis) zur nicht behandelbaren Gewebezerstörung.

Eine Hypothyreose beginnt bei bereits ausgewachsenen Hunden schleichend und wird mitunter nicht oder nur zufällig erkannt

  • eher dem Alter oder
  • einer anderen organischen Störung zugeordnet.

Es werden, (meist) aus Unwissenheit nicht immer rechtzeitig, bestehende Untersuchungs- oder Diagnosemöglichkeiten angewandt, so dass in einigen Fällen erkrankte Tiere bereits, vor Diagnose-stellung zum Zuchteinsatz kommen und so diesen Defekt, der nachweislich, in der Regel zu 90 %, genetisch bedingt/ angeboren ist und somit weiter vererbt werden kann. Wenn dieses Problem auch oft genug als „unproblematisch“ bewertet wird, züchterische Maßnahmen sind zwingend. Sicher sind auch in der Hundezucht einige Beispiele bekannt (10%), die einen genetischen Hintergrund unwahrscheinlich erscheinen lassen. Hier sei gerade heutzutage, eine der Hauptursachen, nämlich „Stress“, wie ihn viele Hunde zu verarbeiten haben, erwähnt.

Da jedoch für jede Hundezucht die genetisch begründete Hypothyreose von großer Bedeutung ist, verlangt jede auffällige Erkrankung mit einem möglichen hormonellen Hintergrund eine sorgfältige Beobachtung und den Verzicht auf einen möglichen Zuchteinsatz. Dies so lange bis ein genetischer Defekt ausgeschlossen werden kann, um einem möglichen züchterischen Problem zu entgehen.
Eine geschlechtsgebundene Beziehung konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Hündinnen und Rüden sind also gleichermaßen betroffen. Ob Rasse- oder Mehrrassenhunde, die Hypothyreose ist in allen Zuchten, in ihrem Ausmaß jedoch auch in Rasseabhängigkeit, verschieden stark verbreitet.

Die Symptome

einer Hypothyreose können, wie bereits geschildert sehr spät auftreten und/ oder sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Oftmals tappen selbst Tierärzte im Dunkeln und werden erst tätig, wenn sich ein Hund in einem äußerst jammervollen Zustand befindet.

Die hier aufgeführten Veränderungen (Symptome) können…

  • im Junghundealter wie auch erst bei einem Althund
  • in ausgeprägter oder milder Form
  • gemeinsam oder einzeln
  • mit oder ohne veränderte Wesenszüge

auftreten. Dennoch bieten sie, bei aufmerksamer Beobachtung, Anhaltspunkte denen ein fürsorglicher Besitzer, ebenso der verantwortungsbewusste Züchter, nachgehen wird.
Auffällige Veränderungen wie insbesondere:

  • ein gestörtes Haarwachstum mit trockenem struppigem Haar, besonders auffälliger „zerfressener“ Rute = Afghanenrute
  • meist über dem Nasenrücken beginnendem Haarausfall (lederartige kahle Haut)
  • besonders starker Ausprägung im Bereich der Kruppe/ bzw. Lendenwirbelsäule und dort
  • starker Schuppenbildung (grob/ braun/ schmierig)
  • bilateral symmetrische Alopezie
  • Hyperpigmentation der Haut, bei warzenartigem Aussehen
  • Hautverdickung mit und ohne Schuppenbildung
  • sekundärer Pyodermie
  • lichtem Haarkleid, das in der Regel zuerst im LWS-Bereich und ganz besonders im Bereich ~der Rute auffällig ist, sich später in folge über den Rücken weiter ausbreitet.
  • Steife langsame Bewegungen und Störungen der Gleichgewichtsorgane
  • Gesichtslähmungen
  • Kehlkopfstörungen mit Atemnot, Rasseln der Stimme
  • Durchblutungsstörungen mit niedriger Körpertemperatur (kälteempfindlich)
    verringerte Herzfrequenz
  • Wassereinlagerungen, dadurch erhebliche Gewichtszunahme
  • In seltenen Fällen ist bei Hunden der Kropf vorzufinden
  • Verstopfung

Psychisch

  • Interesselosigkeit
  • Trägheit und Antriebslosigkeit = abgestumpft = wirken traurig – alt
  • vermehrtes Schlafbedürfnis
  • verminderte Ausdauer

Fortpflanzung

hier zeigt sich das Ausmaß einer bestehenden nicht behandelten (primären oder sekundären) Schilddrüsenunterfunktion besonders gravierend.
Rüden

  • mangelnder/verminderter Geschlechtstrieb
  • Sterilität
  • in der Regel verkleinerte Hoden
  • die Fertiliät der Samen ist herabgesetzt

Hündin

  • Sterilität
  • unregelmäßige Läufigkeit,
  • mangelnder/verminderter Geschlechtstrieb
  • vermehrt Totgeburten oder geringe Wurfstärke
  • Resorption der Foeten (je nachdem inwieweit Hormone vorhanden sind/ fehlen)
  • Missbildungen der Welpen

In diesem Zusammenhang ist die „angeborene Schilddrüsenunterfunktion“ zu erwähnen = Kretinismus ist eine Entwicklungsstörung des kindlichen Organismus, verursacht durch einen Mangel an Schilddrüsenhormonen.

Die typischsten Symptome zeigen sich in:

  • Schädigungen des zentralen Nervensystems
  • Störungen in der Skelettentwicklung
  • verspätete Geschlechtsreife
  • Organfehlentwicklung

Die Ausprägung der vorgeburtlichen Entwicklungsstörungen, ist von den evtl. noch zur Verfügung stehenden Hormonen abhängig.

Schilddrüsenunterfunktion und Zucht

Auch wenn nicht jede Schilddrüsenunterfunktion einen genetischen Hintergrund hat, so bleibt, solange nicht tatsächlich die Ursache gefunden ist, die Verantwortung eines jeden Züchters, jeden Zuchtvereines, jedes Deckrüdenbesitzers, ja eines jeden Hundebesitzers, mit dazu beizutragen, dass ein möglicher genetischer Defekt der Schilddrüse erkannt und, im Interesse einer gesunden Hundezucht, durch Kontrolle eingegrenzt wird. Es ist auch heute immer noch die Regel, dass tote, missgebildete, lebensunfähige Welpen, meistens aus Unwissenheit, aber auch aus Desinteresse, ohne Abklärung beseitigt werden. Auch hier sollte die Verantwortung zum Tragen kommen.

5jähriger Rüde

3jähriger Rüde

Typisch für ein, noch im Anfangsstadium stehendes, hormonelles Ungleichgewicht: Das Haarkleid (insbesondere das Deckhaar) zeigt sich, jedoch nur bis zum Rutenansatz, noch üppig. Jedoch weist die übrige Rutenbehaarung, ausgehend von der Rutenspitze, deutlich ein gestörtes Fellwachstum auf.

Wie bereits geschildert, ist es (auch für den Fachmann) nicht leicht, erste Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion immer richtig zu deuten. Die Vielzahl an Auffälligkeiten, das sehr unterschiedliche Zusammentreffen einzelner oder auch mehrerer Symptome in unterschiedlichsten Variationen, lässt in manchen Fällen nur Vermutungen zu. So können Fell-Hautprobleme für sich alleine einen Hinweis geben, aber auch das vorgenannte auffällige Verhalten. Bei recht frühem Zuchteinsatz (z.B. mit 2 Jahren) fehlen bei einer genetisch bedingten Hypothyreose recht häufig noch erste Anzeichen.
In der Regel zeigen große Hunde, wie der Hovawart, mit etwa 2 Jahren „einschleichend“ ein hormonelles Defizit. Auffällig sind meist vorrangig das gestörte Fellwachstum mit „Afghanenrute“, struppigem Haar und schmierigen braunen Schuppen (anfänglich im Bereich der Kruppe), Wassereinlagerungen und Trägheit, die die Aufmerksamkeit des Besitzers erfordern, um weitere Folgeschäden (s.o.) zu verhindern.

So, wie die erwähnten Symptome, vereinzelt auftretend, nicht immer für eine Hypothyreose sprechen, so finden sich auch Auffälligkeiten, die man noch vor einigen Jahren für völlig untypisch ansah:

Gerade bei jüngeren Hunden zeigen sich eher gegenteilige Verhaltensauffälligkeiten. Sie sind hektisch, schnell überreizt, besonders unter Stress nicht führbar. Diese Hunde scheinen nicht in der Lage zu sein, mit eigentlich normalen Situationen umzugehen. Sie reagieren in alltäglichen Begebenheiten, auf Grund der Stressanfälligkeit (bedingt durch die fehlenden Hormone), zu Reizbarkeit und Aggressionsverhalten (Übersprungverhalten).

Oftmals wird dieses Verhalten irrtümlich, weil als „arbeitsfreudig“ oder „unausgelastet“ angesehen, negativ beeinflusst, in dem diesen Hunden ein „Mehr“ angeboten wird. Infolge dessen wird genau das Gegenteil von dem erreicht, das bezweckt wird. Ein Irrtum – ein Teufelskreis!

Das Schilddrüsenprofil des Hundes

lässt sich durch unterschiedliche Laboruntersuchungen ermitteln. Bei einer primären Schilddrüsenunterfunktion zeigen sich die Werte T3 und T4 erniedrigt. Der TSH-Spiegel hingegen ist erhöht, da der Körper bemüht ist, durch „Gegenregulierung“ die Schilddrüse zur Produktion ihrer Hormone anzuregen. Bei der selteneren, auch bereits erwähnten, sekundären Form der Hypothyreose ist hingegen der TSH-Spiegel erniedrigt. Verschiedene Untersuchungsmethoden stehen der Diagnosestellung zur Auswahl. Die meist durchgeführte, normalerweise auch zuverlässige Laboruntersuchung des Blutserum ist die Bestimmung von:

  • T4 – Gesamtthyroxin, Norm 1.0 – 4.7 mikrogr./dl
  • TSH – Thyreotropin, Norm < 0.5 ng/ml
  • Freies Thyroxin, Norm 0,6 – 3,7 ng/dl

Befinden sich die Werte nicht im mittleren Normbereich, sind zur Abklärung speziellere Untersuchungen sinnvoll.

Zur Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion

bieten sich für den Hund verschiedene Präparate aus dem veterinär- und humanmedizinischen Bereich an (L-Thyroxin, Euthyrox, Forthyron, etc.). In der Regel (Ausnahmen sind bekannt!) benötigt ein 50 KG schwerer Hund 2 x täglich 1.000 Mikrogramm Thyroxin. (Auf Grund einer schlechteren Resorption und höheren fäkalen Ausscheidung von Thyroxin, ist der Bedarf bei Hunden wesentlich höher als beim Menschen.) Regelmäßige Einnahmen sind von großer Wichtigkeit! Ein von Hund zu Hund recht unterschiedlicher Bedarf von Schilddüsenhormonen, verlangt gelegentliche Kontrollen der Werte, insbesondere zu Beginn der Behandlung, um sicher gehen zu können, dass der Hormonhaushalt sein Gleichgewicht findet. Von Fall zu Fall muss entschieden werden, ob die Einstiegsdosis dem tatsächlichen Tagesbedarf (gewichtabhängig) entspricht, oder ein Einschleichen sinnvoll ist. Zur Vermeidung von Herzproblemen ist, besonders bei älteren Hunden, letzteres sicher ratsam.

Zur Beachtung:

Niedrige Schilddrüsenwerte müssen nicht zwingend auf eine vorliegende Schilddrüsenunterfunktion hinweisen. Daher sollte niemals auf Grund von geringen Abweichungen (z.B. nach Infektion/ medikamentöser Behandlung, etc.) eine hormonelle Behandlung eingeleitet werden, ohne zuvor einen Schilddrüsenbelastungstest (zieht sich über mehrere Stunden hin) zur Kontrolle durchführen zu lassen. Dieser zeigt sicher an, ob die Schilddrüse tatsächlich nicht mehr in der Lage ist korrekt zu arbeiten. Voreilige, prophylaktische Hormonbehandlungen bringen eher Schaden als dass sie nutzen. Auf Grund der „künstlich“ zugesetzten Hormone erhält der „Arbeitskreis“, in Zuständigkeit die „Mitarbeiter“ Hypothalamus und Hypophyse, den Auftrag: „Arbeit einstellen/ reduzieren“. Im Grunde ein Schutzmechanismus, der dann fälschlicherweise dafür verantwortlich ist, dass die Schilddrüse ihrerseits „meint“ die Produktion von T3 und T4 einstellen zu können.

Prognose

Je eher die Hypothyreose erkannt und behandelt wird, desto schneller „erholt“ sich der Körper. Sichtliche erste positive Anzeichen finden sich im Verhalten eines auffälligen Hundes. Er zeigt sich „lebensfreudiger“ und interessierter, nimmt aktiv am Leben teil. Hingegen benötigen Haut und Haarkleid die längste Erholungsphase. So erschreckend die Diagnose „Hypothyreose“ für so manchen Hundebesitzer ist, sie ist, richtig erkannt und behandelt, für den Hund weder eine gesundheitliche Belastung, noch mindert sie die Lebenserwartung. Jedoch verlangt sie eine lebenslange zuverlässige und korrekte Behandlung mit Schilddrüsenhormonen.

Der Zuchteinsatz

Es werden leider, in allen Populationen, Hunde die an einer Schilddrüsenunterfunktion erkrankt sind, zur Zucht eingesetzt. Teils, wie bereits erwähnt, geschieht dies ohne Wissen. Teils jedoch wird, so muss ich immer wieder feststellen, jeder Hinweis, jeder Gedanke an eine mögliche Entgleisung des Hormonhaushaltes „weggewischt“, „es kann nicht sein!“ So vergehen manches Mal viele Monate oder 1-2 Jahre, der Allgemeinzustand des Hundes verschlechtert sich zusehends, er verliert an Lebensqualität, findet derweil vielleicht Zuchtverwendung…? Die Schilddrüsenunterfunktion ist, wie verschiedenen Informationsquellen zu entnehmen ist, längst zu einem züchterischen Problem geworden. Wer oder was mag dafür verantwortlich sein?

Meine Einstellung

  • Ein erkrankter Hund hat, trotz aller Behandlungserfolge, nichts in der Zucht zu suchen.
  • Für Nachkommen eines nachweislich erkrankten Hundes ist erst dann ein Zuchteinsatz möglich, wenn die entsprechenden Vorsorgemaßnahmen/ Untersuchungen dies erlauben.
  • Eine Verpaarung möglicher Anlageträger untereinander findet keine Zustimmung.

Ein Wunsch für die weitere Zuchtplanung:

Es wäre wünschenswert, dass jeder der Zucht zur Verfügung stehende Hund, völlig unabhängig von Verdachtsmomenten und Auffälligkeiten, oder einem genetisch bekannten Hintergrund, selbstverständlich und ohne weitere Aufforderung, einer Schilddrüsenkontrolle (s.o.) unterzogen wird.