Gesäugetumore beim Hund

Für viele Hündinnen-Besitzer ist es erschreckend: Beim Bürsten, Kraulen, Schmusen, etc., entdeckt man, meist zufällig, eine winzige Veränderungen an einem Gesäugekomplex der Hündin. Vielleicht ist es ein winzig kleiner runder glatter Knoten? Nicht einmal größer als ein Stecknadelkopf, der sich im weichen Brustgewebe ertasten lässt? Vielleicht aber auch ist eine Zitze verdickt, ggf. heiß und ein eitriges Sekret wird bei Druck sichtbar?Der erste Gedanke fällt auf den Tierarzt!

Das ist sicher richtig so, trägt aber leider nur selten zur Beruhigung bei, da zu oft hier das „Feuer geschürt“ wird, indem er das bereits im Internet ergoogelte noch eindringlich bestätigt.

Ein erfahrener tierliebender Veterinär wird in einem solchen Fall erst einmal lediglich hinterfragen:

Wichtige Beobachtungen

    • Wie viele Knoten wurden wann entdeckt?
    • Wird eine Umfangsvermehrung festgestellt?
    • Wann war die letzte Läufigkeit?
    • Hat sich die Umfangsvermehrung/ Größenentwicklung fortgesetzt?
    • Sonstige Veränderungen, z.B. Leistungsabfall?

und soweit es angebracht ist, den Rat erteilen, die weitere Entwicklung zu beobachten.

Zu viele Tierärzte erteilen, ohne Rücksicht auf die Anamnese, nicht nur den Rat, den ertasteten Knoten umgehend zu entfernen. Nein, sicherheitshalber wird die gesamte Gesäugeleiste mit den dazugehörigen Lymphabschnitten entnommen.

Meine eigenen Erfahrungen

Sicher wären diese anders verlaufen, hätte ich nicht einen Tierarzt zur Seite gehabt, für den nicht nur die Gesundheit eines Tieres wichtig ist. Auch für ihn darf keinem Lebewesen mehr Leid und Schmerzen zugefügt werden, als unbedingt nötig.

Meine eigenen Erfahrungen mit Candy, Babsy, Finchen und Amara: Bei Candy zeigten sich erstmals im Alter von 8 Jahren 2 kleine glatte runde Knötchen (Stecknadelkopf), die sich zu keiner Zeit veränderten. Candy nimmt mit 13 Jahren auf Grund ihrer Altersschwäche Abschied.

Bei Babsy wurde ich erstmals in ihrem 10. Lebensjahr „fündig“. 4 etwa erbsengroße, eher rauhe Knötchen, die mich sehr beunruhigten, mit jeder Läufigkeit anschwollen, aber nach der Scheinträchtigkeit ihre „normale“ Größe erlangten. Auf Grund hormoneller Störungen, die dazu führten, dass sie im Alter von 11 Jahren alle 4 Monate läufig wurde, erhielt sie einmalig, zur Läufigkeitsunterdrückung, entgegen dem Rat unseres Tierarztes, vor ihrem 12. Geburtstag, ein Gestagen. Diese Entscheidung habe ich bitter bereut. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich einer der Knoten zu einer faustgroßen Geschwulst. Eine Operation wurde auf Anraten des Tierarztes nicht mehr durchgeführt. Babsy nimmt mit 12 Jahren Abschied, auf Grund dieses Gesäugetumores.

Im Alter von 7 Jahren zeigten sich bei Finchen mehrere Knötchen, verteilt auf die hinteren Zitzen beidseits, die ebenso wie bei Mama und Oma, mit jeder Hitze auffällig schienen, sich jedoch nach der Scheinträchtigkeit zurückbildeten. Finchen hat uns knapp 14 Jahre begleitet, bis wir sie auf Grund ihrer Altersschwäche erlösen lassen müssen.

Anders bei meiner Hündin Amara. Sie ist 6 Jahre, als mir 2 kleine Knötchen, die wie es die Erfahrung lehrte, bei jeder Hitze und Scheinträchtigkeit mit Veränderungen auffielen, um sich anschließend wieder auf ein Minimum zurückzubilden. Jedoch neu für mich und anders als bei ihren Ahnen: Nach ihrem Wurf im Jahr 2014, sind auch bei gründlichster Untersuchung keine Knötchen mehr zu ertasten.

Es wird inzwischen als sicher angesehen, dass mehr als die Hälfte aller Hunde, in einem Alter von 10 Jahren, Tumore unterschiedlichster Art tragen. Bei vielen werden diese jedoch gar nicht oder nur zufällig entdeckt und, aus Rücksicht auf sein hohes Alters bestmöglich behandelt, jedoch nicht operiert, um ein Leben ohne Schmerzen und Leid zu ermöglichen.

In der Tat, es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass verschiedenste Tumore (Gewebezubildungen) heute zur häufigen Todesursachen bei Hunden zählen. Nicht anders wie beim Menschen! Ob aber eine Zunahme in den letzten Jahrzehnten wirklich zu verzeichnen ist, ist kaum nachzuweisen, bedenkt man, dass Tumore bei unseren Vierbeinern, z.B. vor 30 Jahren, kaum beachtet oder erkannt wurden.

Auch wenn einige Hunderassen für bestimmte Tumorarten empfänglich scheinen, lässt sich allgemein keine Rasse besonders ausmachen. Mehrrassenhunde aller Größen erkranken prozentual in gleichem Maße wie ihre reinrassigen Artgenossen.

Auf der Suche nach auslösenden Faktoren wird man sich verständlicherweise, auf wissenschaftliche Untersuchungen und Erkenntnisse der Humanmedizin verlassen dürfen. Verständlich weil, sind doch hier gleiche Voraussetzungen gegeben. Ganz sicher stehen alle möglichen Umwelteinflüsse an 1. Stelle bei der Frage nach der Gesäugetumor-Entstehung bei einer Hündin. Sie stellt nichts anderes dar, als eine unkontrollierte Zellvermehrung, die gutartig wie auch bösartig sein kann. Es gibt keinen Nachweis dafür

  • wie überhaupt bösartige Tumoren entstehen
  • ob ein ertasteter Tumor gut- oder bösartig ist
  • ob hormonell bedingte, also zeitlich begrenzte, Veränderungen gutartiger oder bösartiger Natur sind
  • ob und wann sich gutartige in bösartige Tumore verändern
  • ob und wohin ein Gesäugetumor streut (Metastasen)

Wann treten Gesäugetumore auf?

Tumore dieser Art treten im fortgeschrittenen Lebensalter auf. In der Regel wird das 1. Knötchen zufällig, frühestens im 6. Lebensjahr, im vorderen oder hinteren Gesäugekomplex, selten im mittleren Bereich, von Hündinnen-Besitzern entdeckt. Die einst verbreitete Aussage, dass Mammatumore etwa 1/5 aller Tumorarten bei nicht kastrierten Hündinnen ausmachen, wurde in Studien widerlegt. Ebenso fehlt der „Einschätzung“, dass 50-70 Prozent aller Gesäugetumore als bösartig einzustufen sind, der Nachweis. Neuere Untersuchungen besagen, dass sich bei max. 1,8 % der nicht kastrierten Hündinnen Gesäugetumore entwickeln.
Von diesen erweist sich die Hälfte als gutartig.
Diese Tatsache ist ein Beleg dafür, wie unsinnig eine als „ Mittel zur Verhinderung von Gesäugetumoren“ hoch gepriesene frühe Kastration, mit ihren vielen Nebenwirkungen, ist.

Für die Aussage, dass

  • Zuchthündinnen weniger an Gesäugetumore erkranken als andere, wird es nicht ausreichend Belege geben. Dennoch wird in der Literatur immer wieder darauf hingewiesen.

Auch in meinen eigenen Erfahrungen mit 4 Zucht-Hündinnen findet sich dies bestätigt!

Welche Bedeutung kommt einer unregelmäßigen Läufigkeit bei der Entstehung zu?

Eine unregelmäßig einsetzende Hitze, oder eine Scheinträchtigkeit, begünstigt die Tumorentstehung ebenso wenig, wie eine Kastration sie verhüten kann.
Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass Erkrankungen des Geschlechtsapparates mit einem entsprechenden hormonellen Ungleichgewicht (Eierstockzysten, persistierende Gelbkörper, Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut) die Entstehung von Gesäugetumoren begünstigen.

Welche Ursachen stehen für Gesäugetumorerkrankungen bei der Hündin?

Es werden multifaktorielle Gründe, wie z. B. die Ernährung, Umwelteinflüsse, immunologische Faktoren oder genetische Prädisposition verantwortlich gemacht.
Hormonelle Behandlungen z.B. mit

  • Depro Provera (Läufigkeitsunterdrückung)
  • Perlutex (Unterbrechung oder Verschiebung der Läufigkeit)
  • Supprestral (Verschiebung der Läufigkeit)
  • Wiederholte Progesterongaben /zur Abortprophylaxe
  • übermäßig angewandte Röntgenstrahlen (viele Röntgenuntersuchungen müssen nicht sein)
  • Chemikalien (Bedenkt man, was z.B. das größte Organ des Hundes seine Haut, wie wichtigste andere Organe, in zunehmendem Maße alles ertragen müssen. Nein, es sind nicht die Endo- und/ oder Ektoparasiten, die einem gesunden Hundeleben entgegenwirken. Es sind „Chemikalien“, die immer aggressiver werden. Genau die, nach deren Verabreichung wir uns gründlichst die Hände waschen…, vor denen wir uns selbst schützen sollen, gegen die die meisten Parasiten ohnehin inzwischen resistent sind.) Es ist der Hundebesitzer /Tierarzt, der zu zellschädigenden Mitteln greift, die ein Lebewesen empfindlicher und empfänglich für Radikale werden lassen.
  • falsche Ernährung (besonders in den ersten Lebensjahren)
  • ebenso wie Übergewicht im ersten Lebensjahr

Gesäugetumore

können einzeln oder gehäuft auftreten, auf ein Gesäugeabschnitt begrenzt, oder aber auch auf beide gesamte Gesäugeleisten verteilt sein. Meist fühlt der Besitzer eher zufällig 1 oder mehrere winzig kleine harte runde oder ovale Knötchen, die vielleicht über Monate oder Jahre kaum an Größe zulegen? Vielleicht aber auch während einer Hitze anschwellen und nach Ablauf der (sogenannten) Trächtigkeit/ Scheinträchtigkeit wieder einen geringeren Umfang annehmen.
In solchen Fällen sind kaum irgendwelche Maßnahmen nötig, außer der regelmäßigen Kontrolle. Oftmals kann es sich um eine lokal begrenzte Umfangvermehrung handeln, verursacht durch eine Entzündung, mit Wärme und Schwellung, eitrigem Ausfluss, etc., die behandelt werden müssen (da schmerzhaft), aber nach einer Antibiotikabehandlung zurückgehen.

Kleine Knoten (bis haselnussgroß) finden keine Beachtung, solange sie sehr langsam wachsen, unter der Haut verschiebbar sind und sich auf einen Gesäugeabschnitt beschränken.

Gutartige Tumore kommen sehr häufig vor. Sie können und sollten, solange sie keinen Druck auf umliegende Organe ausüben, belassen werden. Von ihnen geht keine Gefahr aus, solange sie nicht auf Grund ihrer Größe belastend sind.

Für das Vorliegen eines bösartigen Tumors, der Metastasen (Tochtergeschwülste) über Lymph- und Blutgefäße auf andere Körperorgane übertragen kann, spricht in der Regel ein rasantes Wachstum. Es kann jedoch auch dem der gutartigen sehr ähnlich sein.

Nicht zu vergessen, dass auch aggressive Tumore im Alter dazu neigen ihr Wachstum zu verlangsamen oder gar einzustellen.

Aber wie verhält man sich bei bösartigen Gesäugegeschwülsten?

Vertrat ich vor etlichen Jahren die Ansicht, dass eine Operation das Hundeleben beträchtlich verlängern kann, so hat die Erfahrung eines Besseren belehrt. Bösartige Gesäugetumore verlangen in der Regel eine große Operation. Meist wird eine gesamte Gesäugeleiste inklusive der dazugehörigen Lymphstränge entfernt (da nach einem solchen Eingriff die Tumorbildung weiter aktiviert werden könnte).
Selbst die, vor einer derartig großen Operation durchgeführten Röntgenunter-suchungen/ Ultraschall garantieren nicht, dass keine Metastasen vorhanden sind, die sich in sämtlichen Organen, wie im Skelett angesiedelt haben können. Im Gegenteil! In 5 mir bisher bekannten Fällen, bei denen nach ausgiebigen Voruntersuchungen und Diagnosestellung, dem Hund nach einem Eingriff noch eine gute Lebenserwartung zugerechnet wurde, verstarben diese Hündinnen innerhalb weniger Wochen nach einer Operation auf Grund der nicht georteten Metastasen.

Welchen Beweis gibt es dafür, dass eine solche belastende Operation richtig oder notwendig ist?

Man muss sich vor Augen halten:

  • wird ein als verdächtig oder bösartig eingestufter Gesäugeknoten operativ entfernt, lässt sich später der Nachweis einer tatsächlichen Notwendigkeit nicht erbringen. Ebenso wenig bei der Frage, ob eine gesamte Gesäugeleiste entfernt werden muss.
  • wird von einer Operation abgesehen, der Tumor verbleibt, hat man wie in unserem Fall die Bestätigung dafür, richtig gehandelt zu haben.
  • zeigt sich im schlimmen Fall, dass die Entscheidung abzuwarten falsch war, der Tumor entwickelt sich weiter, macht man sich bittere Vorwürfe.
  • Dennoch, eine Garantie dafür, dass eine Operation schlimmeres hätte verhindern können, gibt es nicht (wie 5 mir bekannte Fälle bestätigen).

Ob die heute möglichen und somit auch eingesetzten Operationstechniken, tatsächlich nötig oder angebracht sind, oder ob sie sich von Fall zu Fall eher nachteilig auf das weitere Hundeleben auswirken? Wer kann diese Frage korrekt und ehrlich beantworten?

Bieten sich Alternativen zur Operation?

Wie bereits erwähnt, verändern auch bösartige Gesäugetumore, ihr „Verhalten“. Studien, die das belegen könnten, gibt es aber nicht.
Für eine positive Entwicklung können einige Gestagene, die das Wachstum von Mammatumoren vermindern, beitragen (z.B. Proligeston/ Delvosteron).

Welche Vorsorge ist angebracht?
Es bieten sich viele Möglichkeiten, eine gute Vorsorge zu betreiben:

  • Der Gesundheit des Hundes angemessene Ernährung von Anfang an
  • Vermeidung von Belastung mit gesundheitsschädigenden Substanzen
  • Regelmäßige Gesäugekontrolle (Abtasten, über Veränderungen Buch führen)
  • Ab dem 8. Lebensjahr jährlich ein großes Blutbild durchführen lassen (auch hier sind Anhaltspunkte für einen tumorösen Prozess zu finden)

Auch wenn es keine wissenschaftlichen Beweise gibt, sollte uns nicht der gesunde Menschenverstand behilflich sein? Jede Operation ist ein Eingriff/ Angriff in ein System, das alle Energie sammeln muss, um diesen zu besiegen. Energien, die helfen könnten, auch mit einer Tumorerkrankung leben zu können.

Inge Krümmel